Quatsch kunstvoll inszeniert
Cartoons von Rainer Bach in der Galerie ART IN
Es darf gelacht werden, hatte die Galerie ART IN im Vorfeld der neuen Ausstellung „Heiter und so weiter“ – Cartoons von Rainer Bach - angekündigt, und das wurde bereits zur Vernissage am 14. September 2005 ausgiebig getan.
Wieder einmal reichten die Sitzplätze in der Galerie ART IN kaum aus, so groß war das Interesse der Meeraner Kunstfreunde. Prof. Dr. Wolfgang Zscherpel, Vorsitzender des Meeraner Kunstvereins, begrüßte über 100 Gäste und auch den Künstler selbst, der sich im Verlauf der Vernissage dem Publikum auch musikalisch vorstellte.
„Rainer Bach hat uns viele schöne Dinge an die Wand gehängt“, brachte Prof. Zscherpel die neue Ausstellung auf den Punkt und erinnerte an frühere Ausstellungen mit Cartoonisten, in deren guter Gesellschaft sich Bach befindet. 
Bevor dann der Künstler selbst aktiv wurde, ergriff der Glauchauer Künstler Peter Schönhoff zur Laudatio das Wort.
„Nun sage bloß einer, Rainer Bach macht nur Quatsch. Es sieht vielleicht auf den ersten Blick wie Quatsch aus, dann aber gleich erkennt man, dass er den Quatsch inszeniert und zwar kunstvoll“, so Schönhof, der Bach als Künstler charakterisierte, der immer wieder überrascht. „Rainer Bach wird vom gemeinen Grafikgucker oft missverstanden, der gemeine Grafikgucker fühlt sich getroffen, obwohl er persönlich gar nicht gemeint ist, sondern die Spezies an sich. Und da muss sich einer, der sich getroffen fühlt, schon ganz gut kennen“, sagte Schönhoff.
In seiner Laudatio spannte er den Bogen von der „unsäglichen Leserbrief-Schreibe-Familie Petzold aus Karl-Marx-Stadt“, die sich in einem Leserbrief an die Sächsischen Neuesten Nachrichten über die Verletzlichkeit und Grenzen des guten Geschmacks auslässt, bis zu Einträgen im Gästebuch einer früheren Bach-Ausstellung, wo beispielsweise B. Büche sich nicht schämt zu schreiben: ‚Sie seufzte, vor Begeist'rung schwach: Nein, einfach pimmlich, dieser Bach'.
„Seine Zeichnungen sind reine Wonne, sind technisch perfekt und farblich gewissermaßen milieumäßig, der Bach lässt uns unter Wasser tummeln und in den Lüften schweben, da denkste, du bist mittendrin“, schwärmt Peter Schönhoff. Und mitten im Gewusel des Welttheaters von Rainer Bach sind die Stars Herr Jedermann, Frau Jedefrau, Miss Piggi und der König Frosch, der Erlauchte, ergänzt er und erklärt dem Publikum weiter, was das nun ist, eine Cartoonist. „Ich begebe mich auf einiges Glatteis, ich weiß. Ich denke mir aber, ein Cartoonist ist ein ernstzunehmender Maler, der mit dem Mittel der Übertreibung zu einem Verhältnis Stellung bezieht. Wenn die Karikatur das böse Wirtshauslied, ist das Cartoon die ausgeschmückte Erzählung unter Männern. Und da ist Rainer Bach in guter Gesellschaft, ich nenne nur Rowlandson und Hogarth, die unvergleichlichen Engländer des 18. Jahrhunderts, davor in manchen Arbeiten Breughel, danach dann Schinkel, von dem es ja auch Sachen gibt und natürlich später dann Beardsley und Daumier und heute eine ganze Fülle ausgezeichneter Künstler, nicht zuletzt Deix und eben Bach.“
Quatsch kunstvoll inszeniert, nannte es Peter Schönhoff zu Beginn seiner Laudatio und davon gab der Künstler selbst im Anschluss eine Kostprobe – allerdings diesmal musikalischer Art. Das Publikum erlebte die Performance „Rondo Cappuccino“ – ein „Konzert für Kaffeemaschine und Mundharmonika“. Das geräuschvolle Blubbern der Kaffeemaschine (ein DDR-Modell) begleitete Rainer Bach auf der Mundharmonika und am Ende gab es zwar keinen Kaffee, sondern nur eine grüne Brühe, dafür aber viel Applaus.
Wer sich selbst ein Bild von Bach machen möchte: Die Ausstellung „Heiter und so weiter“ ist bis zum 6. November 2005 in der Galerie ART IN, Marienstraße 22, zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Donnerstag und Sonntag jeweils 14 bis 18 Uhr.
 
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