„Schwebendes“ in der Galerie ART IN
Neue Ausstellung „Flug des Schattens“ bis 10. September
Ungewöhnliche Objekte sind derzeit in der Meeraner Galerie ART IN zu sehen. „Ich habe sofort an Lilienthal gedacht“, sagte ein Besucher der Vernissage am 8. Juli und tatsächlich scheinen die schwebenden Twist-Objekte des Künstlers Gustav Reinhardt an Konstruktionen von Flügel oder auch Tragflächen zu erinnern.
Prof. Dr. Wolfgang Zscherpel, Vorsitzender des Meeraner Kunstvereins, begrüßte zur Ausstellungseröffnung den Künstler zu einem Kunstgespräch und sprach gemeinsam mit Gerhard Schneider, Schatzmeister des Vereins, mit ihm über seine künstlerische Entwicklung und seine Arbeiten.
Der Weg zu den scheinbar schwerelos schwebenden leichten Kunstobjekten verlief nicht so gradlinig, wie man annehmen könnte. Viele Jahre war Stahl das bevorzugte Material von Gustav Reinhardt.
Der gelernte Karosseriebauer und Patentzeichner bei Porsche studierte Architektur und Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin, einige Jahre sogar gleichzeitig. „Bei meiner ersten Bewerbung an der Hochschule der Künste fiel ich durch. Dann habe ich eine Scheune angemietet und ausgemusterten Schrott aus der Landwirtschaft zusammengeschweißt. Einem Professor aus England hat das gefallen“, erzählte Gustav Reinhardt. Diesem Professor hat er seine Zulassung zu verdanken.
In der Bildhauergruppe ODIOUS arbeitete Gustav Reinhardt mit weiteren Studenten, die sich mit Stahlskulpturen beschäftigten, zusammen. Die Gruppe war sehr erfolgreich, war auf vielen Ausstellungen präsent. Aber die Arbeit an einer Skulptur ist aufwändig, dauert viel länger als das Malen zum Beispiel, sagte Reinhardt. „In drei Jahren entstanden zwölf Arbeiten, damit kann man kein Museum füllen“, so der Künstler. Nach fünf Jahren verließ er die Gruppe und fand in den Bildhauerwerkstätten Berlin ab 1985 eine neue Aufgabe.
Wie kommt man von den Stahlskulpturen nun zu diesen leichten, transparenten Objekten aus Raminholz und Japanpapier, fragte Gerhard Schneider den Künstler. „Ich war auf der Suche, über Jahre. Auch unterwegs auf Reisen habe ich gearbeitet. Und dort entstanden Modelle, die ich zu Hause aus Stahl nachbauen wollte“, beschreibt es Gustav Reinhardt. „Von einigen im Atelier aufgehängten Arbeiten waren Gäste begeistert und dann habe ich irgendwann das erste Twist-Objekt verkauft.“
Aber für den Künstler steckt viel mehr dahinter: Die Objekte vermitteln filigrane Leichtigkeit, Bewegung, Transparenz und sie sind in einer bestimmten Balance. Die Schwierigkeit, den Punkt für die Aufhängung der Objekte zu finden, überträgt Gustav Reinhard auf den Menschen und seine Suche nach Balance, nach einem eigenen Schwerpunkt. „Ich habe viel von den Objekten gelernt. Leichtigkeit fängt im Kopf an“, sagt der Künstler.
Die ausgestellten Zeichnungen – auch hier verwendet Reinhardt handgeschöpftes Papier oder Japanpapier - ergänzen die Twist-Objekte, verstehen sich als „Flug des Schattens“.
„Aber die Zeichnungen sollen eigenständig sein, kein Abbild der Objekte“, erklärt der Künstler.
Zu sehen sind die Arbeiten von Gustav Reinhardt, auf den Candida und Manfred Berger den Meeraner Kunstverein aufmerksam machten, bis zum 10. September 2006.
Öffnungszeiten der Galerie ART IN, Marienstraße 22: Dienstag bis Donnerstag sowie Sonntag 14 bis 18 Uhr.
Im August bleibt aufgrund der Urlaubsvertretung die Galerie sonntags geschlossen.
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