Ausstellung

 

Sonderausstellung „100 Jahre Karosseriebau in Meerane“ im Heimatmuseum

Von Hornig & Co über IFA Meerane zu den Unternehmen der Automobilzulieferindustrie  

Im Heimatmuseum Meerane im Alten Rathaus am Markt wird vom 12. Mai bis 3. September 2006 die Sonderausstellung „100 Jahre Karosseriebau in Meerane“ gezeigt. Die Ausstellung erinnert an die 100jährige Tradition des Karosseriebaus in der Stadt und spannt einen Bogen von der Fa. Gustav Hornig & Co., mit der 1906 der Karosseriebau in Meerane begann, über das Karosseriewerke Meerane und die IFA bis zu den heute im Wirtschaftszentrum Meerane ansässigen Unternehmen der Automobilzulieferindustrie.

Eine Einstimmung gibt bereits die Vitrine mit dem „Exponat des Monats“ im Foyer im Erdgeschoss des Alten Rathauses. Hier sind jeweils zwei Modellautos ausgestellt, die die verschiedenen Epochen präsentieren: Horch 851 Pullmann und Wanderer W 25K Roadster, Trabant 601 Universal und Wartburg Coupé 311, sowie VW Golf und VW Passat.
In den beiden Ausstellungsräumen, aber auch in den Foyers und im Treppenhaus kann der Besucher auf Entdeckungsreise gehen. Zu sehen sind viele Dokumente und Fotos aus der Zeit von Hornig & Co. und der IFA. Aber auch historisches Werkzeug aus der Hornig-Werkstatt, Zeichenbrett und Zeichenwerkzeug eines Konstrukteurs und Zeichnungen gehören zu den Exponaten. Zahlreiche Prospekte, Bedienungsanleitungen und die Werkszeitung „Die Karosse“ werden bei vielen Meeranern, die in der IFA tätig waren, Erinnerungen wecken. Technikfreunde können jedoch auch einen Trabantsitz, eine Tür mit Kurbelautomatik, Armaturenbrett oder Lampenteile unter die Lupe nehmen. Im Ausstellungsraum im Dachgeschoss präsentieren sich die Automobilzulieferer Brose, HBPO und Peguform. Die ausgestellten Exponate verdeutlichen, welche Teile zum Beispiel für VW Passat, Golf oder den VW-Phaeton in Meerane gefertigt werden.

Entsprechend groß war das Interesse bereits zur Eröffnung der Sonderausstellung am 12. Mai 2006, zu der Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer viele Besucher begrüßen konnte. Unter den Gästen waren an diesem Abend auch die Geschäftsführer der Meeraner Unternehmen Peguform, Roland Klug, und HBPO, Heiko Stengel, sowie Thomas Rummer von der Fa. Huperz, die sich im April neu in Meerane ansiedelte. „Eine Neuansiedlung eines Automobilzulieferers im Jubiläumsjahr: Ein schönes Ereignis“, so Bürgermeister Prof. Ungerer.

In seiner Rede erinnerte Prof. Ungerer insbesondere an die Geschichte der Fa. Hornig.
Gustav Hornig gründete 1869 eine Stellmacherwerkstatt für Wagenbau in Meerane. Als das Automobil auf dem Vormarsch war, stellte Hornig & Co. 1906 vom Kutschenbau zum Bau von Automobilkarossen um. Firmengründer Gustav Hornig war zu dieser Zeit bereits verstorben, seine Söhne führten gemeinsam mit einem Geschäftspartner die Firma. Der erste Auftrag war ein Leichenwagen für die Stadt Meerane. Später war das Meeraner Unternehmen besonders für seine Luxuskarossen bekannt. Designer Erich Lüsebrink nahm italienische und amerikanische Stilelemente auf.
Aber die Fa. Hornig zeigte auch Zivilcourage während der Zeit der Nationalsozialisten. Sie beschäftigten zwei KPD-Mitglieder nach ihrer Entlassung aus dem KZ wieder im Unternehmen und stellten 1938 einen jüdischen Lehrling ein, informierte Prof. Ungerer. Auch diese Aspekte werden in der Buchveröffentlichung zur Fa. Hornig & Co. eine Rollen spielen, die derzeit von dem Fachjournalisten Christian Suhr und der Fa. Schwarz Druck Meerane realisiert und zur Festveranstaltung am 15. Juli 2006 präsentiert wird.

Der älteste Besucher der Ausstellung, der 93-jährige Max Stelzer, hat noch bei Hornig & Co. gelernt. 1927 hatte er seine Ausbildung zum Karosseriestellmacher begonnen, erzählte er Bürgermeister Prof. Ungerer. Nach dem 2. Weltkrieg und Gefangenschaft arbeitete er dann von 1950 bis 1977 in der IFA Meerane. Ausgestellt ist auch der Gesellenbrief von Carl Oheim, unterschrieben von Hornig. Carl Oheim war erst im vergangenen Jahr als einer der ältesten Meeraner Einwohner im Alter von 103 Jahren verstorben.

Bürgermeister Prof. Ungerer stellte zur Eröffnung auch eine Sonderedition mit Drucken historischer Automobile der Fa. Schwarz Druck vor, eine weitere Idee zum Jubiläum „100 Jahre Karosseriebau“ neben der Buchveröffentlichung, dem Trabi-Diplom der Fa. pro|picture und dem Modelltrabant der Fa. Findeisen. Interessenten können diese Sonderedition und den Modelltrabi im Alten Rathaus und natürlich auch im I-Punkt in der Marienstraße 34 kaufen.

Andreas Kuhn , Mitarbeiter im Heimatmuseum, der im Anschluss die Ausstellung kurz vorstellte, dankte insbesondere den vielen Leihgebern der Ausstellung für die Unterstützung. Dazu zählen neben den Automobilzulieferern und den Oldtimerfreunden Meerane-Glauchau auch zahlreiche private Leihgeber und die Enkeltöchter der Gebrüder Hornig sowie des Geschäftspartners Metzner.
Ein Dankeschön richtete er auch an das Projektteam unter Leitung von Heidi Grätz, das die Ausstellung vorbereitet hat.

Öffnungszeiten des Heimatmuseums,
Altes Rathaus, Markt 3:
Montag bis Donnerstag 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr
Freitag 10 bis 13 Uhr
Sonntag 14 bis 17 Uhr

 
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