Verleihung der Meeraner Bürger-Medaille 2006
Medaille für Bürgersinn und Bürgerengagement an Reinhard Schubert überreicht
Die Meeraner Bürger-Medaille 2006 wurde am 19. Januar 2007 im Rahmen des Meeraner Neujahrsempfanges verliehen. Preisträger ist Herr Reinhard Schubert, der Leiter des Meeraner Arbeitslosenzentrums MAZ. Der Meeraner Stadtrat hatte im Dezember 2006 dazu einen einstimmigen Beschluss gefasst.
Dotiert ist die Bürger-Medaille mit 500 Euro, gestiftet von der Firma CCL Industries Meerane. Herr Uwe Baier, Commerce Manager der Fa. CCL (rechts im Bild), überreichte die Medaille in Vertretung des Geschäftsführers Herr Feldbauer, an Reinhard Schubert. (Fotos: pro|picture)
Die Laudatio hielt Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer:
„Ich habe die Ehre, das Meeraner Arbeitslosenzentrum mit und um Herrn Reinhard Schubert auszuzeichnen.
Herr Reinhard Schubert kommt als Ingenieur aus der Lebensmittelindustrie; er hat vor und nach der Wende die Produktion wie auch den Vertrieb namhafter Unternehmen verantwortlich gestaltet.
Seit Dezember 2002 zeichnet er mit finanzieller Unterstützung der Arbeitsagentur als Teamleiter und Sozialarbeiter verantwortlich für das Meeraner Arbeitslosenzentrum – kurz: MAZ.
Das MAZ arbeitet im Ehrenamt und wird durch Bürgerarbeit getragen. Der das MAZ tragende Ortsverein hat derzeit 35 Mitglieder.
Eingebunden ist das Meeraner Arbeitslosenzentrum in den Arbeitslosenverband Deutschland, Landesverband Sachsen e.V.. Bis 2005 firmierte das MAZ als Arbeitslosentreff „Halt“, der in Meerane am 14. Dezember 1994 unter der Verantwortung von Frau Heidi Erl und Herrn Peter Ziebell eröffnet wurde.
Nach dem Umzug in die Amtsstraße im Dezember 2005 weitete Herr Schubert sein Engagement aus. Die Stadt Meerane übernahm Mitte 2005 vom Erziehungsförderverein – mit Zustimmung des Sächsischen Sozialministeriums – das Georg-Krause-Haus in der Amtsstraße und entwickelte das Konzept eines Vereins- und Bürgerhauses.
In der Konzeptentwicklungsphase war Herr Schubert unser wichtigster Partner, der die Chance erkannte, das Beratungsangebot des MAZ auszuweiten.
Unter dem Motto „Treffpunkt für Jeden – Bürgerberatung zur Selbsthilfe“ hat er ein vernetztes Beratungs- und Serviceangebot (Social-Networking) auf die Beine gestellt.
Gegenwärtig bieten neben dem MAZ die Schuldnerberatung, der Sozialverband VdK-Sachsen, die IG Metall, die Sozialpädagogische Familienhilfe, die Schiedsstelle (Friedensrichter) und die Jugend-Streetworker ihre Dienste an.
Dazu kommen der Warenkorb des dfb-Frauenzentrums, die Seidenmalerei-Gruppe, Handarbeit/Stricken/Häkeln, das Sportklettern, der Kostümfundus und weitere Meeraner Vereine wie der Meeraner Bürgerverein und der Tschernobyl-Hilfe-Verein. Derzeit nehmen ca. 600 Bürgerinnen und Bürger monatlich das Netzwerk an, 300 Personen allein den Warenkorb.
Ziel der Arbeit von Herrn Schubert und des MAZ ist und wird auch weiterhin die Interessensvertretung arbeitsloser Menschen sowie hilfebedürftiger Bürger sein. Vor allem mit der Einführung des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV-Gesetzgebung) nahm die Arbeitslosenberatung enorm zu.
Arbeitsforscher weisen darauf hin, dass Menschen dauerhaft eine Situation nicht aushalten, in der die eigenen Ziele nicht mit den eigenen Möglichkeiten in einem zentralen persönlichen Bereich wie Arbeit in Übereinstimmung sind. Erzwungene Passivität lässt sich schwer verkraften. Wo fast alle Lebenschancen an Job und Einkommen geknüpft sind, bleibt es den betroffenen Menschen verwehrt, sich am wichtigsten Wertmaßstab für soziales Prestige zu orientieren. Arbeitslosigkeit belegt wie kein anderes Phänomen den immer noch zentralen Stellenwert von Erwerbsarbeit in der Gesellschaft.
Persönliche Anmerkung: Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist eine Daueraufgabe – ob in Handel, Gewerbe oder Industrie, ob auf der grünen Wiese, in Innenstädten, auf Dörfern, wo auch immer.
Eine weitere Begründung dafür liefert eine Studie der Bundesärztekammer, die uns auch aus der sozialen und schulischen Arbeit bekannt ist. Die Folgen von Arbeitslosigkeit beeinträchtigen nicht nur die Betroffenen selbst. Auch die „Opfer von Nähe“, wie sie Wissenschaftler nennen, geraten in eine Abwärtsspirale: Menschen, die mit Erwerbslosen eng zusammenleben. Kinder leiden unter der Situation und den verschlechterten finanziellen und sozialen Bedingungen. Das Fazit: Arbeitslosigkeit und Armut machen krank – bis in die folgende Generation.
Hier gegenzusteuern, diese Mechanismen aufzubrechen, lieber Herr Schubert, ist eine zutiefst humanitäre Aufgabe.
Ich danke unseren Stadträten für ihr einstimmiges Votum, die Bürgermedaille 2006 an Sie zu verleihen!
Was dem Einzelnen an Leistungen, Hilfe oder Zuwendungen zuteil wird, begründet für viele keine Gegenleistung mehr. Dankbarkeit schon gar nicht. Es werden ja nur Ansprüche erfüllt, und dafür muss sich niemand bedanken.
Dankbarkeit ist nicht einklagbar (im Gegensatz zu Ansprüchen) und auf sie hat niemand Anspruch. Sie ist jedoch eine Tugend, ohne die keine Gesellschaft auskommt. Denn auf Dauer ist sie und nur sie die Voraussetzung dafür, dass Ansprüche nicht nur erhoben, sondern auch eingelöst werden.
Deshalb, lieber Herr Schubert, ist die heutige Auszeichnung in erster Linie ein Zeichen der Dankbarkeit für Ihre Arbeit und die Ihrer Mitstreiter.“
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