Aktuelles (09.02.2007)

 


Gedenken an Martin Hochmuth

Die Stadt Meerane hat die Gedenktafel für Martin Hochmuth Ende Januar 2007 wieder anbringen lassen. Die Gedenktafel an der Martin-Hochmuth-Straße wurde innerhalb von drei Jahren dreimal zerstört bzw. entfernt.
Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer nahm den Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2007 zum Anlass, an den ehemaligen Stadtrat Martin Hochmuth zu erinnern.

Zu Beginn des Jahres 1933 hatte es in Meerane Demonstrationen gegen Adolf Hitler als Reichskanzler gegeben. Am 9. März 1933 besetzte jedoch die Glauchauer SA das Meeraner Rathaus, und einen Tag später wurden führende Vertreter der Meeraner SPD und KPD, darunter auch Martin Hochmuth, verhaftet.
Martin Hochmuth war Stadtrat in Meerane und engagierte sich vorbehaltlos für Menschlichkeit und soziale Belange. Mit seiner Verhaftung erlebte seine Familie schwerste Stunden. Seine Frau fand keine Arbeit, die Kinder wurden in der Schule verspottet und geschlagen. Das änderte sich auch nach seiner Entlassung nicht – die Stadt hat den einstigen Stadtrat nicht wieder aufgenommen.
Martin Hochmuth wurde erneut verhaftet, beschuldigt wegen Hochverrats und kam über das KZ Oranienburg ins KZ Groß-Rosen, wo er 1941 an den Folgen schwerster Misshandlungen starb.

„Martin Hochmuth war als Mitglied der KPD eingebunden in den Widerstand der sozialistischen Arbeiterbewegung, deren Heroisierung oder gar Mythologisierung – wie zu DDR-Zeiten vorgegeben – der Lebensleistung der Menschen nicht gerecht wird. Das hatte in der Folge der Wende 1989/1990 sogar dazu geführt, dass in unserer Stadt der Martin-Hochmuth-Platz in Poetenplatz umbenannt wurde und der Gedenkstein verschwand“, sagte Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer.
„Unsere Demokratie steht vor allem auch auf den Schultern der Frauen und Männer, die sich bei ihrem Verhalten und Handeln gegenüber den Nationalsozialisten von Prinzipien leiten ließen, die dem Grundgesetz zugrunde liegen. Erinnert sei an den in Meerane geborenen Schriftsteller Erich Knauf, der am 2. Mai 1944 in Berlin ermordet wurde. Erinnert sei an die Meeraner Jüdinnen und Juden. Mit der Volkszählung am 17. Mai 1939 wurden im Stadtkreis Meerane, Gau Sachsen, noch 15 Jüdinnen und Juden gezählt“, so der Bürgermeister weiter.

Anlässlich des 50. Jahrestages der Auschwitz-Befreiung im Jahre 2005 hatte Meerane mit lokalgeschichtlichen Forschungen über das Schicksal der Meeraner Juden begonnen. Vor wenigen Tagen erhielt die Stadt vom Bundesarchiv in Koblenz Nachricht, mit denen die Nachforschungen über die Leidenswege der Familien wie Balzer, Baum, Blumenthal, Born, Frank, Koch und Wertheim bestätigt wurden.
Bürgermeister Prof. Ungerer: „Antisemitismus ist kein deutsches Phänomen. Auschwitz war jedoch eine deutsche Erfindung. Wir tragen die geschichtliche Verantwortung für den Völkermord. Dieser Bruch in unserer Zivilisationsgeschichte ist zweifellos eine Last. Denn dadurch haben wir eine Vergangenheit, die nicht vergehen will; sie begleitet uns vielmehr und bricht immer wieder auf. Nichts wäre fataler, als die deutsche Geschichte misszuverstehen – im Sinne von Schuldweitergabe von Generation zu Generation. Die Kollektivschuldunterstellung namens „Tätervolk“ ist irrational und falsch. Was wir von Generation zu Generation weitergeben, sind – unvermeidlich – Erinnerungen und – vernünftigerweise – Verantwortung!“


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