Aktuelles (27.09.2007)
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Der Bürgermeister Sächsisches Staatsministerium 01079 Dresden Meerane, 27.09.2007 Sehr geehrter Herr Staatsminister Flath, erlauben Sie mir bitte, ohne große Vorrede auf mein Anliegen zu sprechen zu kommen. Ich habe die Form des offenen Briefes gewählt, da sich betroffene Familien sehr verärgert aus unserer Stadt an mich gewand haben und unsere eigenen Beobachtungen die vorgetragenen beklagenswerten Zustände bestätigen. Zur Vorgeschichte: In den Jahren 2003 und 2004 entzog der Freistaat Sachsen seine Mitwirkung für die fünften Klassenstufen mit dem Ziel, das öffentliche Gymnasium Meerane zu schließen. Dieser Zeitpunkt kam für das Regionalschulamt mit dem vergangenen Schuljahr 2006/2007. Mit dem aktuellen Schuljahr 2007/2008 darf die Stadt Meerane nicht mehr Schulträger eines öffentlichen Gymnasiums sein. Der Freistaat Sachsen hat seinen kompletten Mitwirkungsentzug vollzogen. Das Gymnasium geschlossen. Das mit über 2,5 Millionen Euro modernisierte und intakte Gymnasialgebäude steht nun großteils leer. Die Stadt Meerane musste sich mit diesem schmerzlichen Ergebnis abfinden. Ich finde mich jedoch nicht mit den miserablen Verhältnissen ab, die nun eingetreten sind. Die Situation ist für die Schülerinnen und Schüler eine Zumutung. Am 12. August 2004 teilte Ihr Ministerium der Stadt Meerane mit, dass der Mitwirkungsentzug mit den Aspekten “der Leistungsfähigkeit und Qualitätsentwicklung an den sächsischen Gymnasien” begründet wird, da für “die Sicherung der Qualität gymnasialer Bildung auch gewisse Quantitäten notwendig sind.” Diese Quantitäten , sehr geehrter Herr Staatsminister, sind nun Realität. Viele Meeraner Kinder und Jugendliche besuchen nun das überfüllte und völlig überforderte Gymnasium in Glauchau. Quantität heißt jetzt Masse ohne Klasse . Eine aktuelle, zeitnahe Abhilfe der beklagenswerten Zustände ist durch die Schulträger nicht in Sicht. Welche Unzulänglichkeiten erzürnen nun die Öffentlichkeit? Zwei Bereiche greife ich auf: Die Enge und die Schülerbeförderung. Generell gilt: Die Schule ist überfüllt , ihre Kapazitäten sind nicht ausreichend, Enge ohne Ende. In den ersten Unterrichtstagen mussten Schulklassen in das nahe liegende Krankenhaus (!) ausgelagert werden. In allen Räumen wird unterrichtet; auch in fensterlosen Kellerräumen und ungeeigneten Räumen. Beispiel: Der Leistungskurs Deutsch in der Sekundarstufe II findet im Werkfachraum an schmalen Werkbänken statt. Überfordert ist die Schulspeisung (räumliche Enge, Wartezeiten, Qualität). Mit der Enge sind Erscheinungsformen wie wandernde Schülerinnen und Schüler in den Pausen, Unruhe, erheblicher Lautstärkepegel oder einzelne genervte Lehrerinnen und Lehrer verknüpft, die nicht fördernd für die Leistungsmotivation sind. Überfüllte Toiletten , die neben Wartezeiten u. a. dazu führen, dass in den kleinen Pausen Schülerinnen z. B. keine Toilettengänge mehr vornehmen können.
Die Schülerbusse sind so gefüllt, das oftmals nicht alle wartenden Schüler einen Platz finden. Schülerinnen und Schüler der neuen fünften Klassenstufe waren in den ersten Unterrichtstagen vollkommen überfordert. Eine Begleitung durch das Gymnasium erfolgte nicht. Die Erwartungen der ehemaligen Grundschulkinder enttäuscht. Einzelne Lehrerinnen und Lehrer verlängern wohl nach ihrem Gusto Unterrichtsstunden (z. B. um zwei Minuten), die dann zu erheblichen Wartezeiten beim Schulbus nach Hause führen, weil der knapp getaktete Bus nicht mehr erreicht werden kann. Erhebliche zeitliche Aufwendungen für Schülerinnen und Schüler von der Haustür bis ins Klassenzimmer und zurück. Die Spitze bilden einzelne Meeraner Schülerinnen und Schüler mit täglich 180 Minuten . Der Schulweg beginnt z. B. vor 6.00 Uhr. Es gibt keine Direktverbindung an die Schule. Die Schülerinnen und Schüler müssen mit einem Linienbus fahren und werden nach einem Umstieg in Glauchau mit einem Schulbus „transportiert“.
Ich möchte abschließend nicht verschweigen, dass bereits in den Jahren 2003 und 2004 die eingetretene Situation von uns prognostiziert wurde. Die von mir aufgezeigten Lösungsansätze wurden nicht aufgegriffen. 1. Ein gemeinsamer Neubau einer Schule verworfen. 2. In der Folge beantragte am 07.10.2004 das Gymnasium Glauchau Haushaltsmittel des damaligen Schulzweckverbandes Gymnasium Glauchau-Meerane in Höhe von 50.000 Euro zur Erstellung der Planung für den Um- und Ausbau des Gymnasiums Glauchau, die von der Stadt Glauchau zu tragen waren. 3. Der Stadtrat der Stadt Glauchau lehnte kurz zuvor (30.09.2004) mehrheitlich ein Haupt- und Außenstellenmodell ab. Eine gymnasiale Außenstelle Meerane war nicht gewünscht. Der Schulzweckverband wurde in der Folge aufgelöst. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen; von einer Modernisierung bzw. einem Neu-, Um- oder Ausbau des Gymnasiums Glauchau sind wir weit entfernt. Auch dieser Umstand verschärft die gegenwärtige Lage, da eine Besserung nicht in Sicht ist und in knapp einem Jahr kommt eine neue fünfte Klassenstufe. Ich bleibe dabei: Es spricht vieles dafür, dass junge Menschen in überschaubaren Schulen leben, lernen und arbeiten sollten. Ich bitte um Verständnis, sehr geehrter Herr Staatsminister, dass ich mich mit den beklagenswerten Zuständen an Sie wende. Neben der großen Enttäuschung über den Verlust des städtischen Gymnasiums kommen jetzt noch diese Verschlechterungen für unsere Schülerinnen und Schüler dazu. Glauben Sie mir, dies ist für mich schmerzhaft, da die kommunale Schulträgerschaft eine sehr hohe Priorität in der kommunalen Aufgabenerfüllung unserer Stadt einnimmt und wir im Gymnasialbereich keine Zuständigkeiten mehr haben. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und verbinde meinen Dank mit einer Gesprächseinladung nach Meerane, wo Sie mit betroffenen Eltern und Schülern das Thema vertiefen können. Wir würden uns auch über eine Vertretung sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Lothar Ungerer Eine Mehrfertigung des Schreibens erhalten Herr Landrat Dr. Scheurer (Landkreis Chemnitzer Land) und Herr Oberbürgermeister Stetter (Stadt Glauchau). |