Würdigung für bedeutenden Meeraner Naturheilkundler
Bilz-Ehrung und Eröffnung der Bilz-Ausstellung im Heimatmuseum
Friedrich Eduard Bilz, geboren 1842, ist einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Meerane. Der Naturheilkundler wurde hier zwar nicht geboren, doch er lebte fast 30 Jahre in Meerane und verfasste hier sein 1882 veröffentlichtes berühmtes und überaus erfolgreiches Werk „Das neue Naturheilverfahren“. Dieses Buch wurde 2,5 Millionen Mal verkauft und in 13 Sprachen übersetzt!
Bis zum Jahr 2000 erinnerte jedoch nur wenig in Meerane an Friedrich Eduard Bilz und sein Wirken. Dann griff die Lokale Agenda 21 auf Anregung der Meeranerin Roselinde Kaufmann die Idee eines Bilz-Naturgartens auf und der „Kräutergarten Friedrich Eduard Bilz“ wurde in der Robert-Baum-Straße angelegt. Das Bilzsche Erbe ganz nach seinem Motto „Die Natur war mein Leitstern, möchte sie auch der Leitstern der Nachwelt sein“ und eine gesunde Ernährung sollten insbesondere an Kinder weitergegeben werden. Dieses Konzept wird bis heute umgesetzt, regelmäßig begrüßt die Umweltreferentin Erdmute Stäuber Kindergruppen im Bilz-Garten.
Der Arbeitslosentreff „Halt“, damals noch in der Röbbeckestraße, unterstützte ebenfalls das Ansinnen, die Erinnerung an Bilz wachzuhalten. So gab es im Juni 2004 einen „Tag der Kräuter“, im Februar 2005 sprach Jutta Küchler über ihre Bilz-Biographie und im vergangenen Jahr war Dr. med. Heidelore Geistlinger, die Vorsitzende des Bilz-Bundes Radebeul, zu einem Vortrag und zu einem „Bilz`schen Nachmittag“ in Meerane.
Wie groß das Interesse an Friedrich Eduard Bilz und seinen Lehren ist, konnte man nun erneut am 2. November 2007 zur Bilz-Ehrung erleben. Zahlreiche Gäste waren bereits zur Enthüllung der Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Bilz in der Albanstraße18 gekommen. Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer dankte Roseline Kaufmann für ihr langjähriges Bemühungen für diese Tafel sowie der Familie Saupe, die heute im Haus Albanstraße 18 wohnt. Gespendet wurde die Tafel von der Fa. Brumme, die Einladungen für die Bilz-Ehrung sponserte die Fa. Schwarz Medien-Center.
(Foto rechts: Roselinde Kaufmann von den Meeraner Kräuterfrauen enthüllte gemeinsam mit Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer die Gedenktafel am Haus Albanstraße 18)
Zum anschließenden Vortrag von Dr. med. Heidelore Geistlinger im Trausaal des Alten Rathauses und zur Eröffnung der Bilz-Ausstellung kamen so viele interessierte Besucher, dass die Plätze kaum ausreichten.
„Viele Menschen haben sich in unserer Stadt dafür engagiert, dass das Wirken von Friedrich Eduard Bilz weiterlebt. Ich wünsche mir, dass die heute eröffnete Bilz-Ausstellung ihren Zuspruch findet“, sagte Bürgermeister Prof. Dr. Ungerer und begrüßte nochmals herzlich Dr. med. Heidelore Geistlinger in Meerane.
Zu Beginn ihres Vortrages „Die Bedeutung der Erkenntnisse der Naturheilkunde für die heutige Zeit“ schilderte Dr. Geistlinger ihr Bemühen, die Lehren von Bilz und seine Erkenntnisse von damals für die heutige und künftige Zeit zu nutzen. Als Landärztin hatte sie ihre Praxis in der Nähe des Bilzbades in Radebeul und beschäftigte sich mit seinem Wirken. Gesundheit und gesunde Lebensweise waren und sind eine Frage des besonderen Interesses, sie erfordern Selbstdisziplin, Aktivität und die Überwindung von Bequemlichkeit, führte sie aus.
Die Bedingungen, unter denen Bilz lebte – kleine Räume, schlechte Luft – mündeten in seiner Suche nach Selbsthilfe, denn Geld für einen Arzt war nicht da. Bilz schloss sich deshalb dem Naturheilverein „Am Mittelberg“ in Meerane an. Doch er wollte seine Erfolge anderen mitteilen und entwickelte die Grundsätze Bilzscher Gesunderhaltung. „Aber Bilz war kein Arzt und hatte deshalb große Schwierigkeiten, er durfte zum Beispiel allein kein Sanatorium führen. Zum Glück fand er Ärzte, die mit ihm zusammenarbeiteten“, erinnerte sie.
Mit dem heutigen Gartenverein „Am Mittelberg“ verbindet Dr. Heidelore Geistlinger auch ein unvergessliches Erlebnis. „Mit den Mitgliedern des Bilz-Bundes haben wir vor einigen Jahren die Bilzschen Stätten in Meerane aufgesucht, zusammen mit Frau Kaufmann. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir in einem Hinterstübchen im Vereinshaus der Gartenanlage die originale Büchersammlung von Friedrich Eduard Bilz entdeckten, Bücher, die Bilz als Autodidakt für seine Studien genutzt hatte“, schilderte sie den Zuhörern.
Diese Büchersammlung, die „Bilz-Bibliothek“ ist nun Bestandteil der Bilz-Ausstellung, die jetzt als Dauerausstellung in einem Raum im Heimatmuseum im Alten Rathaus zu sehen ist. Außer der Bilz-Bibliothek, die der Gartenverein „Am Mittelberg“ als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat, werden hier weitere Erinnerungsstücke an Friedrich Eduard Bilz gezeigt. Während der Öffnungszeiten des Heimatmuseums kann die Ausstellung besichtigt werden. (Foto rechts: Seit 6. November 2007 ist Norman Zenke neuer Vorstandsvorsitzender des Bilz-Bundes für Naturheilkunde e.V. Radebeul. Gemeinsam mit Dr. Heidelore Geistlinger sah er sich die Bilz-Ausstellung im Heimatmuseum Meerane an.)
Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Geistlinger wurde ein Film mit Originalaufnahmen von Friedrich Eduard Bilz gezeigt, eine Kopie des Films schenkte der Bilz-Bund Radebeul dem Meeraner Heimatmusem. Für die Bilz-Ausstellung überreichte Dr. Geistlinger außerdem zwei gute erhaltene originale Dosen „Bilz-Nährsalz“.
Zum Abschluss des Abends luden die Kräuterfrauen und die Stadtverwaltung zu einem gesunden Büffet ein. Hier gab es Bilz-Brot aus Radebeul mit verschiedenen gesunden Brotaufstrichen, Obst und Tee.
Ein herzliches Dankeschön der Stadtverwaltung Meerane geht an den Bilz-Bund Radebeul, die Meeraner Kräuterfrauen und Frau Roselinde Kaufmann sowie an alle, die die Bilz-Ausstellung und die Bilz-Ehrung unterstützt haben.
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