Winfried Glatzeder brauchte nicht eine Minute, um die zirka 130 Besucher in der Meeraner Stadtbibliothek für sich einzunehmen. Der bekannte Schauspieler („Die Legende von Paul und Paula“) las am 28. April 2008 aus seiner Autobiographie „Paul und ich“ und begeisterte mit seiner sympathischen, offenen und witzigen Art sein überwiegend weibliches Publikum auf der Stelle. Nach zwei Komplimenten für die schöne historische Bausubstanz von Meerane – „Ich bin durch Ihre Stadt gegangen, wirklich wunderschön. Ich kann mir vorstellen, wie schön es hier erst aussieht, wenn alle Vermögensfragen geklärt sind“ – und die neue Stadtbibliothek deklamierte er zuerst einmal den Osterspaziergang. Allerdings ersetzte er den Buchstaben „l“ jeweils durch ein „n“ und schon hier wurde deutlich, dass weniger der Schriftsteller, sondern vielmehr der Schauspieler vor seinem Publikum steht. Dafür gab es für den inzwischen 63-Jährigen, dem man dieses Alter nun wirklich nicht unbedingt ansieht, den ersten großen Beifall und viel Gelächter, als er „nachlegte“ und das fehlende Podest reklamierte, durch das ihm nun der „Bnickkontakt“ zu seinem Publikum fehle. Das war nicht lange ein Problem, nach einer halben Stunde setzte sich Glatzeder auf den Tisch.
Winfried Glatzeder liest und erzählt – von der Kindheit bei den Großeltern und später bei Mutter und Großmutter, die beide Ellen hießen, von Kinderstreichen, der Schulzeit oder den Versuchen der Mutter, einen neuen Mann, bzw. vielmehr endlich einen Vater für den aufsässigen Sohn zu finden. „Ich war tatsächlich ein ziemlich bösartiges Kind“, erklärt er seinem Publikum und gibt Kinderstreiche zum Besten. Nach der Schulzeit folgt eine Lehre zum Maschinenbauer mit Abitur und hier macht er in einer Kabarettgruppe die ersten Schauspielerfahrungen vor Publikum. „Während die anderen in den Produktionshallen schwitzten und das Volkseigentum mehrten, dichteten wir Lieder und Texte für unser Programm.“ Als die Ausbildung beendet ist, gibt es für ihn keine Alternative mehr: „Ich wollte Schauspieler werden.“ Mühelos nimmt Glatzeder sein Publikum gefangen, wenn er liest, wenn er erzählt, wenn er abschweift, obwohl seine Frau Marion ihn immer warnt, wie er sagt: „Schweif nicht ab, du schaffst es nicht, zurückzukommen...“. Sein Publikum hilft weiter. |
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| Der Schauspieler Winfried Glatzeder war am 28. April zu Gast in der Meeraner Bibliothek, rechts im Bild mit der Leiterin der Bibliothek Angelika Albrecht. | |
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Im Anschluss an die Lesung erfüllte Winfried Glatzeder unzählige Autogrammwünsche. Fotos: Stadtverwaltung, pro|picture |
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