LiterARTurtage 2008 im Kulturraum Zwickauer Raum
Mit dem Esel auf dem Jakobsweg
Carmen Rohrbach begeistert Publikum in der Stadtbibliothek
Am Ende der Veranstaltung wünschte sich sicher so mancher Besucher, man könnte selbst einmal loslaufen, das gewohnte Leben mit seinen Vorzügen und Nachteilen hinter sich lassen, eine Auszeit nehmen vom Alltag und auf den Spuren tausender Pilger den Jakobsweg entlangwandern.
Spätestens seit dem Bucherfolg „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist der berühmte Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien vielen bekannt. Auch die promovierte Biologin und Schriftstellerin Carmen Rohrbach ist den Jakobsweg gegangen, aber schon lange vorher.
Bereits 1982 wanderte sie auf dem Jakobsweg. Bei ihrer letzten Wanderung vor vier Jahren war ein Esel – Chocolat– ihr Begleiter. Von dieser Reise berichtete sie den Besuchern der Stadtbibliothek in einer Veranstaltung im Rahmen der „LiterARTurtage“ am 15. Oktober 2008.
„Ich möchte Sie einladen, mich auf dem Jakobsweg zu begleiten, lade Sie ein zu einer unterhaltsamen, spannenden und aufregenden Pilgerreise“, begrüßte Carmen Rohrbach das Meeraner Publikum. Eindrucksvolle Fotos von dieser Reise – die sie über rund 800 Kilometer auf dem französischen Teil des Jakobsweges führten – stimmten die Zuschauer ein. Über den spanischen Teil des Weges, ebenfalls rund 800 Kilometer lang, sagte sie: „Wenn man dies zu Fuß gegangen ist weiß man, was es heißt, auf dem Weg zu sein“.
Eigentlich hätte Carmen Rohrbach für die 800 Kilometer dieser Reise in Frankreich rund 21 Tag gebraucht, aber sie wollte damals nicht allein gehen und hatte sich für einen passenden Begleiter auf dem Pilgerweg, einen Esel, entschieden. So wurden es 44 Tage, lachte Carmen Rohrbach. Mitreißend und sympathisch erzählt sie: von ihren Reisevorbereitungen und der Suche nach einen Züchter in Frankreich, der ihr einen Esel für diese Wanderung überließ; von ihrer Bekanntschaft mit Chocolat, einer Testwanderung für Wanderin und Esel, von den kleinen und großen Schwierigkeiten, die eine Reise mit einem Esel bereit hält; von Quartiersuche, steilen Wegen und dem nicht vorhersehbaren Problem, dass Chocolat Angst vor Brücken hatte, zugleich aber auch keinen Fluss durchqueren wollte.
Die gezeigten Fotos machen deutlich, dass die Schriftstellerin gleichermaßen beeindruckt und fasziniert ist von der Natur und der Landschaft entlang des Jakobsweges und den historischen Kirchen und Bauwerken, die sie auf ihrer Reise besucht. „Man fühlt sich ganz lebendig auf dem Weg, man hat das Gefühl den Satz zu begreifen: Der Weg ist das Ziel“, sagt sie und erklärt weiter „Es ist ein ganz besonderer Weg. Das Bewusstsein, dass vorher so viele Menschen diesen Weg gegangen sind und nach mir noch viele diesen Weg gehen werden, vermittelt das Gefühl der Geborgenheit inmitten einer Gemeinschaft.“
Nicht zuletzt durch ihren vierbeinigen Begleiter kommt Carmen Rohrbach immer schnell in Kontakt mit anderen Wanderern und auch den Einheimischen. „Es gab immer dieselben drei Fragen: Wie heißt er? Wie alt ist er? Ist er störrisch?“, erzählt sie schmunzelnd.
Doch auch wenn sich die Wanderer abends treffen und zusammensitzen, tagsüber läuft meist jeder für sich allein. „Pilger sind heute oft Menschen, die einen Lebensabschnitt beendet haben oder eine Krise bewältigen. Der Weg führt zu sich selbst. Zwar sind alle auf demselben Weg unterwegs, aber jeder geht seinen eigenen“, sagt sie. Und nicht zuletzt, sagt sie, ist eine Pilgerreise, die einen jeden Tag an einen anderen Ort führt, eine lange Kette von Ankommen und Abschiednehmen. Am Ende hieß es auch für Carmen Rohrbach wieder Abschied nehmen, vom Jakobsweg und auch von Chocolat.
Das Meeraner Publikum dankte mit langem Applaus für den unterhaltsamen und interessanten Abend.
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