„Stolpersteine“ zum Gedenken an das Schicksal von Josef und Willy Wertheim
Seit 27. Januar 2009, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, erinnern in Meerane zwei „Stolpersteine“ an das Schicksal der jüdischen Meeraner Unternehmerfamilie Wertheim. Vor der ehemaligen Wertheim-Villa in der Crotenlaider Straße wurden zwei „Stolpersteine“ für Josef und Willy Wertheim eingebracht. Josef Wertheim ist 1942 in Theresienstadt zu Tode gekommen, sein Sohn Willy Wertheim starb nach schweren Misshandlungen 1935 im KZ Sachsenburg.
Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer informierte zur Sitzung des Stadtrates am 27. Januar 2009 über das Projekt „Stolpersteine“ in der Stadt Meerane.
Das Projekt, an dem sich deutschlandweit Städte beteiligen, wurde von dem Künstler Gunter Demnig entwickelt. In das Straßenpflaster eingelassene „Stolpersteine“, auf denen die Namen und Lebensdaten verzeichnet sind, erinnern an Opfer des Nationalsozialismus.
„Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die von Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Freitod getrieben wurden. Die Stolpersteine werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen“, informierte der Bürgermeister. Demnigs Intention ist es unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben.
Trotz des Namens Stolpersteine geht es Gunter Demnig nicht um ein tatsächliches „Stolpern“. Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt, antwortete: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“.
Die Familie Wertheim war eine angesehene Unternehmerfamilie in Meerane (Chemische Fabrik Meerane). Josef Wertheim, dessen Frau Else 1935 verstorben war, wurde in der Pogromnacht 1938 verhaftet. Sein Todesdatum ist der 5. Februar 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt.
Sein Sohn Willy war mit der Meeranerin Charlotte Ahnert verlobt. Aufgrund einer Denunziation wurde Willy Wertheim im September 1935 in das Konzentrationslager Sachsenburg verschleppt und schwer misshandelt. Er starb Tage später am 11.09.1935 in einem Chemnitzer Krankenhaus an den Folgen der Misshandlungen.
„Der 27. Januar ist für uns Anlass zum ehrenden Gedenken an die Bürger unserer Stadt, die in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihr Leben verloren haben“, so der Bürgermeister. In seinem Vortrag erinnerte er auch an den Meeraner Schriftsteller Erich Knauf, der 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, und an Stadtrat Martin Hochmuth, 1941 im KZ Groß-Rosen zu Tode gekommen.
Ein anderes Deutschland symbolisieren Knauf, Hochmuth, Scholl, Bonhoeffer. Ein Deutschland der Freiheit und Menschenwürde, so der Bürgermeister.
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