Aktuelles (16.03.2009)

 

„Werter Herr Abgeordneter...“

Meeraner lachen über braven Bürger und eifrigen Bundestagsabgeordneten

Die Plätze im Veranstaltungsraum der Stadtbibliothek waren bis auf den letzten Platz besetzt. Über 100 Besucher waren am 9. März 2009 gekommen, um zum Start des „Meeraner Bücherfrühlings“ den Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert und den Kabarettisten Hanskarl Hoerning zu erleben und über das zu lachen, was beide vortrugen.
„Es darf gelacht werden...“, so hatte die Stadtbibliothek zu dieser Veranstaltung eingeladen und die Besucher wurden nicht enttäuscht.
„Werter Herr Abgeordneter! Ein vertraulicher Briefwechsel“, so heißt das gerade erschienene Buch von Wolfgang Eckert und Hanskarl Hoerning. Beide sind langjährige Freunde und erzählen, bevor man zum Buch greift, wie man sich kennengelernt hat. Das war bereits Mitte der 80er Jahre in einem Künstlerheim in Hacharow in Tschechien. Eine ganz illustre Truppe, und es hieß, einer vom Kabarett sei dabei. „In der Sauna trug einer eine grüne Badekappe, aber ich glaubte nicht, dass das der Kabarettist ist“, erzählt Eckert, der nämlich zuerst Hoernings Frau für die Kabarettistin hielt. Dieser Irrtum wurde aufgeklärt und seitdem sind beide befreundet.
Für das Buch sind sie in verschiedene Rollen geschlüpft, Wolfgang Eckert in die des braven Bürgers Adolf Bitterling, Hanskarl Hoerning in die des Bundestagsabgeordneten Reizker.
Bitterling ist arbeitslos, hat eine korpulente Frau, die „stattliche Angelina“, die in einem Supermarkt Regale einräumt, zwei übergewichtige Kinder und einen Hund „Helmut“, der aus Begeisterung für den „Einheitskanzler“ auf diesen Namen getauft wurde. Er schreibt Briefe an den Bundestagsabgeordneten zu allen wichtigen Fragen seines Lebens, zum Beispiel, dass die Familie gern einen Urlaub in Afghanistan verbringen möchte. Reizker, Abgeordneter der Fraktion „Gründnis07 / Die Blassen“, versucht stets - wahrscheinlich überglücklich vor Freude über den interessierten Bürger und Wähler – ernsthaft, geflissentlich und umfassend zu antworten. Also werden alle Fragen – z.B. ob man bei der Bundeswehr den Flug buchen kann, ob die Kinder Adelbert und Adeline einen Fensterplatz bekommen können, ob McDonalds mitreist oder eine Reiseführung vor Ort möglichist - ausführlich erörtert. Bitterling stellt sich scheinbar dumm, aber seine Fragen sind hintergründig; Reizker nimmt sich sehr wichtig, schlägt einen hochtrabenden und oft belehrenden Ton an.
Der Leser hat seinen Spaß daran und die Zuhörer in der Bibliothek hatten dies auch.
Die Idee zu diesem Buch hatte Wolfgang Eckert. Den Stoff gaben die täglichen Nachrichten im Fernsehen, z.B. die Auswüchse des „monströsen Geldkapitalismus, der schamlos seine Zähne zeigt“, so Eckert. Die Politiker wissen darum und müssen das Volk beschwichtigen, was zu einem großen Spagat für den Politiker wird, „und zu einer großen Satire, die dabei herauskommt.“
Wolfgang Eckert schlug seinem Freund einen Briefwechsel vor, zwischen Bürger und Bundestagsabgeordneten. Und so begannen beide Mitte 2007, Briefe zu schreiben: Bitterling fragt, Reizker antwortet. Zuerst war es gar nicht als Buchprojekt gedacht, aber schnell haben beide erkannt, dass das Potenzial und die literarische Qualität vorhanden sind, erzählt Eckert. Sie gehen auf allgemeine Fragen und auch auf aktuelle Ereignisse dieser Zeit ein. „Wir waren auch nicht immer einer Meinung“, bekräftigt Eckert.
Themen gibt es jede Menge: Terrorismus, Steuerflucht und Zumwinkel, Bildungspolitik und Bürgerrechtler bis zur Frage, wie lange Bundestagsabgeordnete in die Schule gehen müssen oder die Diskussion über einen Aufsatz der Tochter Adeline, wie diese sich ihr späteres Leben vorstellt.
Hintergründig und humorvoll ist dieser Briefwechsel. Kleine Details wie die Rechtschreibfehler im Brief Adeline Bitterlings, die Wolfgang Eckert mitliest, oder die wechselnden Anrede- und Verabschiedungsformeln – „Wertes rosiges MdB Reizker“ oder „Ihre einzigen artigen Wähler grüßen Sie“ – bieten zusätzlich Gelegenheit zum Schmunzeln, aber für den aufmerksamen Leser steckt mehr dahinter, denn so, wie Reizker die Fragen beantwortet, bieten diese eben keine Lösung.
Das Ende des Buches verraten beide zur Lesung natürlich nicht: „Also müssen Sie das Buch kaufen“, sagen beide. Das Publikum dankte am Ende mit großem Applaus.

Zur Lesung hatten auch der Schriftsteller und der Kabarettist selbst viel Spaß. Zur Signierstunde im Anschluss an die Lesung standen die Fans Schlange.

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