Aktuelles (10.11.2009)

 


20 Jahre Friedliche Revolution - Erinnerung an Protest gegen DDR-Politik

Die Stadt Meerane erinnert in diesem Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen und Ausstellungen an die Zeit der friedlichen Revolution vor 20 Jahren.
Noch bis zum 27. November 2009 wird in der Kirche St. Martin die Ausstellung „Zwischen Angst und Aufmüpfigkeit – Friedensgebete, Umweltbewegung, Kirchgemeinde und friedliche Revolution“ (ein Gemeinschaftsprojekt der Kirche St. Martin und der Stadt Meerane) gezeigt. Die Ausstellung „Botschaftsflüchtlinge auf ihrer Fahrt von Prag nach Hof“ in der Stadtbibliothek und die Filmdokumentation „Eingeschlossen und abgeriegelt: Die Grenze durch die DDR“ zählten ebenso dazu wie die Veranstaltung mit Friedrich Schorlemmer, zu der die Stadt am 12. November 2009 in die Stadthalle einlädt.

Am 9. November 2009 – 20 Jahre nach Öffnung der Grenzen der ehemaligen DDR – wurden zwei Gedenktafeln angebracht, die an Protestaktionen Meeraner Bürger erinnern. Bereits im April 1988 wurden im Meeraner Stadtgebiet verschiedene Losungen an Mauern oder Gebäudewände gemalt bzw. gesprüht, so am 9./10 April „Freiheit für Andersdenkende“ an die Mauer August-Bebel-Straße und am 22. April „Wer sich nicht rührt, spürt die Fesseln nicht! Freiheit“ an die Mauer an der Achterbahn.

An den Stellen, an denen diese Worte damals zu lesen waren, enthüllte Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer die beiden Erinnerungstafeln.
Im Rahmen der Vorbereitungen zu den Veranstaltungen und Ausstellungen anlässlich der Friedlichen Revolution hat die Stadt auch bei der Außenstelle der BStU für die Unterlagen der ehemaligen Staatssicherheit der DDR nachgefragt und konnte Einblick in verschiedene Akten nehmen. Über die Untersuchungen und Ermittlungen zu den Losungen waren Akten und zahlreiche Fotos vorhanden. Der oder die Schreiber wurden damals jedoch nicht ermittelt – was vermutlich die Inhaftierung bedeutet hätte – und wollten auch jetzt nicht an die Öffentlichkeit treten. Die Urheber der Losungen sind daher nicht bekannt.

„Die Tafeln sollen an die mutigen Aktionen der Meeraner erinnern, als sichtbares Zeichen des Protestes. Diejenigen, die diese Losungen geschrieben haben, waren sich der Gefahr sicher bewusst, sie sind ein großes Risiko eingegangen“, würdigte Bürgermeister Professor Dr. Ungerer die damalige Aktion. „In diesem Jahr stehen viele Personen im Blick der Öffentlichkeit, uns ist es wichtig, Dokumente der Bürgerbewegung und des Protestes in unserer Stadt zu präsentieren“, fügte er hinzu.

„Freiheit für Andersdenkende“ – diese Worte stammen ursprünglich aus dem Aufsatz „Die Russische Revolution“ von Rosa Luxemburg, erklärte Professor Dr. Ungerer. Luxemburg hatte Lenins Umsturzversuch begrüßt, kritisierte aber zugleich scharf seine Strategie und warnte vor einer Diktatur der Bolschewiki. In diesem Zusammenhang formulierte sie den berühmten Satz: „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden“.
In Ostberlin hatte im Januar 1988 eine Gedenkdemonstration zu Ehren von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht stattgefunden. Über 100 Personen wurden damals festgenommen, die mit dem Luxemburg-Zitat demonstriert hatten.

Auch in der zweiten Losung „Wer sich nicht rührt, spürt die Fesseln nicht! Freiheit“ wird „Freiheit“ gefordert, ein wichtiges Thema auch bei Friedrich Schiller, dessen Geburtstag sich in diesen Tagen zum 250. Male jährt. „Schiller ist ein Dichter der Offenbarung, der Freiheit, der Rechtschaffenheit. Schillers Schicksal war es, ein Kämpfer zu sein – für die Freiheit, das Glück und das eigene Wohlergehen. Weil er selbst zeitlebens von vielen Fesseln gebunden war, wusste er die Freiheit nur um so mehr zu schätzen. Wer sich nicht rührt, spürt seine Ketten nicht. Schiller rührte sich und rüttelte an seinen Banden“, so Professor Dr. Ungerer.


Die Tafel mit der Losung „Freiheit für Andersdenkende“ wurde an der Mauer an der August-Bebel-Straße angebracht (Foto oben), die Tafel „Wer sich nicht rührt, spürt die Fesseln nicht! Freiheit“ an der Mauer an der Achterbahn. Dort ist übrigens noch immer deutlich die rote Farbe zu sehen, mit der die Losung damals übermalt wurde.

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