Aktuelles (19.11.2009)

 

Friedrich Schiller einmal anders

Bürgermeister Professor Dr. Ungerer gestaltet abwechslungsreiche Literatur-Stunde

Am 10. November 2009 wurde deutschlandweit mit vielen Veranstaltungen der 250. Geburtstag von Friedrich Schiller begangen. Auch wenn der große deutsche Dichter nie in Meerane zu Gast war – zumindest ist das nicht belegt – hat er im Leben der Meeraner schon früher eine große Rolle gespielt. So fand sich aus Anlass seines 100. Geburtstages im Jahre 1859 auf Anregung des damaligen Stadtrates Oskar Kunze ein Volksbibliotheksverein zusammen, der sich zum Ziel stellte, eine Bibliothek in Meerane zu eröffnen. 1860, ein Jahr später, war es bereits soweit: Mit über 300 Bänden eröffnete die erste Bibliothek in unserer Stadt. Am 10. November 2010 wird die Meeraner Stadtbibliothek daher ihr 150-jähriges Bestehen feiern können.
Seine Verehrung zu Friedrich Schiller brachte auch der frühere „Verschönerungsverein Meerane“ zum Ausdruck: Zur Hundertjahrfeier von Schillers Tod 1905 wurde der Schillerpark angelegt, 1906 der Schillerstein errichtet.
An der Fassade des neuen Kunsthauses am Markt schließlich ist seit der Eröffnung im Mai dieses Jahres ein Schiller-Zitat zu lesen: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“.

Auch am 10. November 2009 wurde Friedrich Schiller in Meerane geehrt: Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und die Fachbereichsleiterin Kultur Angelika Albrecht luden zu einer Feierstunde in die Stadtbibliothek ein.
Musikalisch begrüßt wurden die Besucher, darunter auch drei 7. Klassen der Tännichtschule, von dem Stück zu Schillers „Ode an die Freude“. Angelika Albrecht hieß die Gäste herzlich willkommen und erinnerte kurz an verschiedene Stationen in Schillers Biographie auf seinem Weg zu einem der bedeutendsten deutschen Dichter und Philosophen.
Dann übernahm Bürgermeister Professor Dr. Ungerer, der sich für die Feierstunde Zeit genommen hatte, den Besuchern ein Werk Schillers vorzustellen. Mit Blick auf die zahlreichen jungen Gäste hatte er Schillers „Wilhelm Tell“ ausgewählt, und natürlich auch einen Apfel, eine wichtige Requisite des Stückes, mitgebracht.

Professor Dr. Ungerer stammt selbst aus Ludwigsburg und hatte sich im Laufe seiner Schulzeit, wie er sagte, „heftigst“ mit Schiller auseinander zu setzen. Die Schulzeit des Dichters selbst lässt sich mit der heutigen nicht vergleichen. An der von Schiller absolvierten Lateinschule und besonders der folgenden Karlsschule herrschten Drill, Zwang und Abhängigkeit. Doch gab es auch Werke und Personen, die schon den jungen Schiller beeinflussten, wie den Freiheitsdichter Christian Friedrich Daniel Schubart, den Philosophen Immanuel Kant oder Lessings Werk „Nathan der Weise“, erklärte Professor Dr. Ungerer. Kein Wunder, dass das Thema Freiheit in den Werken von Friedrich Schiller, der auch als Dichter der Freiheit bezeichnet wird, eine große Rolle spielt.

„Wilhelm Tell“ geht auf eine Sage um die schweizerische Unabhängigkeit und Freiheit zurück, das Freiheitsmotiv spielt auch hier eine entscheidende Rolle. Professor Dr. Ungerer führte kurz in die handelnden Personen ein, schilderte die Ausgangssituation des Stückes und „packte“ dann den gesamten „Wilhelm Tell“ in 60 abwechslungsreiche, interessante und spannende Minuten. Einzelne bedeutende Szenen las er vor, anderes wurde auf das Wesentlichste zusammengefasst.
So hörte das Publikum von der Verfolgung Baumgartens, dem habsburgische Söldner auf der Spur sind und den Wilhelm Tell im Gewittersturm über den See rettet; vom wahnwitzigen Einfall des Landvogtes Hermann Gessler, einen Hut auf dem Marktplatz aufzustellen, dem dieselbe Ehre wie dem Landvogt selbst zu bieten ist, und der Bestrafung derjenigen, die dies nicht tun; vom Treffen der Gemeindevorsteher, die sich die Willkür des Landvogtes nicht länger bieten lassen wollen. Bei diesem Treffen, erklärte Professor Dr. Ungerer, wird der Sage nach die „Eidgenossenschaft“ begründet. Die habsburgischen Besatzungsmächte sollen vertrieben werden - für eine freie Schweiz.
Auch Wilhelm Tell bricht nach Altdorf auf, wo der Hut des Landvogtes steht, und verweigert diesem die Ehrerbietung. Die Knechte des Landvogtes wollen ihn ins Gefängnis bringen, doch es versammelt sich eine Menschenmenge, die Tell helfen will. In diese Szene kommt der Landvogt selbst und erinnert sich der Armbrust-Künste von Tell, die dessen Sohn Walter auch noch vor dem Landvogt laut rühmt. Hier nimmt die berühmte „Apfel-Szene“ ihren Lauf: Der Landvogt verlangt von Tell, einen Apfel vom Kopf des Sohnes zu schießen, oder beide sterben. Tell verweigert sich, bietet sein Leben gegen das des Sohnes, fleht und bittet, ohne Erfolg. Walter hingegen ist überzeugt von der Fertigkeit des Vaters: „...frisch Vater, zeig, dass du ein Schütze bist.“
Tell schießt schließlich doch und trifft den Apfel, strahlend kommt der Sohn zurück. Nun fragt der Landvogt, was Tell mit dem zweiten Pfeil, den er vor dem Schuss auflegte, gemacht hätte und Tell antwortet, dass er im Fall, er hätte seinen Sohn versehentlich getroffen, auch den Landvogt erschossen hätte.
Der Landvogt lässt Tell verhaften, dem gelingt später die Flucht und in einem Hohlweg - „durch diese hohle Gasse muss er kommen“ - tötet er den Landvogt, um dem unnatürlichen „teuflischen“ Treiben des Vogtes ein Ende zu setzen. In einem Dialog mit dem Herzog von Österreich (genannt Parricida), der aus Habgier gemordet hat, rechtfertigt Tell seine Tat: „...ich habe mein Teuerstes verteidigt.“

Viele Verse aus Schillers Werken sind heute weit verbreitete Sprichwörter, erzählte der Bürgermeister abschließend. „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“, „Früh übt sich, was ein Meister werden will“ oder „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ z.B. sind vielen geläufig.
Zum Abschluss der Feierstunde las Max Heinisch aus dem Europäischen Gymnasium, der ein Schülerpraktikum in der Bibliothek absolvierte, eine der bekanntesten Balladen von Friedrich Schiller: „Der Handschuh“.

Bürgermeister Professor Dr. Ungerer (rechts), Max Heinisch.  
Zur Gedenkfeier anlässlich des 250. Geburtstages von Friedrich Schiller waren auch die 7. Klassen der Tännichtschule anwesend. Für den Weg nach Hause gab es für alle Besucher der Schiller-Gedenkfeier eine "Schiller-Locke", eine süße Köstlichkeit der Meeraner Bäckerei Günther.

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