Anlässlich des Volkstrauertages am 15. November 2009 fanden in Meerane Gedenkfeiern auf dem Meeraner Friedhof und dem Friedhof Seiferitz statt. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und Pfarrer Dr. Martin Teubner begrüßten dazu Vertreter der Reservistenkameradschaft Pleißental vom Verband der Deutschen Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. und rund 60 Gäste, darunter zahlreiche Stadträte. „Den Lebenden zur Mahnung“, „Nie wieder Nationalsozialismus“ ist auf dem Gedenkstein für die Opfer des II. Weltkrieges zu lesen. Die Stadt Meerane und die Reservistenkameradschaft Pleißental legten an dem neugestalteten Ehrenmal Kränze zum Gedenken ab. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer gedachte in seiner Ansprache der Opfer von Krieg und Gewalt aller Völker. Er erinnerte an die Opfer des II. Weltkrieges, an die gefallenen Soldaten, Kriegsbeschädigten, Kriegswitwen und Kriegswaisen aus der Stadt Meerane, die Vertreibung und Ermordung der Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Meerane, aber auch an die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, an die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung und an die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren. (Lesen Sie dazu die Ansprache des Bürgermeisters.) Der Volkstrauertag ist ein Gedenktag gegen das Vergessen und Verdrängen, gegen Gleichgültigkeit und Desinteresse, sagte Pfarrer Dr. Martin Teubner. |
|
![]() |
![]() |
| Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Opfer des II. Weltkrieges | Rund 60 Gäste nahmen an der Gedenkfeier auf dem Friedhof teil |
![]() |
![]() |
| Michael Wolf, Christian Ligotzky, Tino Werler und Uwe Schwarzenberger von der Reservistenkameradschaft Pleißental. | Der Posaunenchor der evangelischen Kirchgemeinde St. Martin umrahmte die Gedenkfeier auf dem Meeraner Friedhof. |
Wir feiern den 20. Jahrestages der Maueröffnung, wir begehen den 60. Geburtstag des Grundgesetzes, wir denken zurück an die Verabschiedung der Weimarer Verfassung vor 90 Jahren und wir erinnern an den Angriffskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands gegen Polen vor siebzig Jahren und damit an den Beginn des Zweiten Weltkrieges, mit dem Deutschland sich selbst und ganz Europa ins Elend stürzte. Der Volkstrauertag in Deutschland ist ein Tag des Erinnerns, des Gedenkens und der Mahnung zum Frieden. Wir trauern heute um die Männer, Frauen und Kinder, die ihre Lebensträume und ihr Lebensglück durch Krieg und Gewaltherrschaft verloren. Der Lyriker Rainer Brambach (1917–1983) bringt den Verlust in seinem Gedicht „Paul“ wie folgt zum Ausdruck:
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, Am 31. August 1939 verschaffte sich Hitler ein unglaubwürdiges Alibi zum Angriff auf Polen. Die SS überfiel – inszeniert als „polnische Freischärler“ – den Sender Gleiwitz. Am 1. September 1939 begann der völkerrechtswidrige Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Polen. Warschau kapitulierte am 27. September, dem dritten Tag des von Hitler befohlenen Bombardements. Hitler setzte im Oktober 1939 den NSDAP-Funktionär Hans Frank als Generalgouverneur ein. Er verantwortete eine brutale deutsche Besatzungspolitik, die darauf abzielte durch Vernichtung der polnischen Intelligenz das polnische Volk führerlos zu machen. Ihm zur Seite stand der von Hitler zum „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“ ernannte Reichsführer SS Heinrich Himmler, der mit rücksichtslosen Terrormaßnahmen Ausrottungspolitik betrieb und eine Germanisierung Osteuropas anstrebte. In der Zeit der deutschen Besatzung sind mehr als 6 Millionen Polen, darunter 3 Millionen polnische Juden ums Leben gekommen. In den Meeraner Heimatstimmen ist über das Meerane in den Herbsttagen des Jahres 1939 zu lesen: „Das letzte Drittel des Jahres 1939 stand naturgemäß auch in Meerane im Zeichen des unserem Volke aufgezwungenen Kampfes. (….) Söhne unserer Stadt befinden sich auch unter den heldenhaften Kämpfern, die auf dem Felde der Ehre geblieben sind.“ „Auf dem Felde der Ehre.“ Die Nationalsozialisten beschworen ein Soldatenbild der kollektiven Opferbereitschaft (für Hitler und Hitler-Deutschland). In dieser „kollektiven Opferbereitschaft“ war der Soldat gefangen. Oft tödlich gefangen. Beispiel Stalingrad. Hitler lehnte 1942 einen Rückzug der deutschen 6. Armee ab. Am 2. Februar 1943 war die 6. Armee am Ende: 146.000 Soldaten waren gefallen; 90.000 erschöpfte, kranke und verwundete Männer gingen in die Gefangenschaft, nur etwa 6.000 Männer haben überlebt und sind nach Jahren in die Heimat zurückgekehrt. Ein zweites Beispiel. Am 18. Februar 1942 forderte Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast vom deutschen Volk die Opferbereitschaft und die Treue zum „Führer“ ein. Das (tödliche) Bekenntnis zur unbedingten Gefolgschaftstreue gipfelte in einem tausendfachen „Ja“ zum „totalen Krieg“. Solche Bekenntnisse zur Gefolgschaftstreue sind auch für Meerane belegt: „Am 9. November 1940 fand eine Weihestunde im Saale von Härtels Hotel statt, in der der NSDAP Hoheitsträger Erichsen* eine Gefallenenehrung zelebrierte mit abschließender Führerehrung, dem Gelöbnis unwandelbarer Treue zu Hitler.“ (Heimatstimmen Januar 1941)
Dennoch: Bei den Männern und Frauen des deutschen Widerstands waren seit 1938 mannigfache Überlegungen angestellt worden, wie man Hitler in den Weg treten könne, um die vorhersehbare Katastrophe, in die seine Politik das deutsche Volk führen musste, noch abzuwehren. Der militärische Widerstand scheiterte endgültig am 20. Juli 1944, als das Hitler-Attentat, ausgeführt von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, misslang. Stauffenberg und drei weitere Offiziere wurden noch in der Nacht des 20. Juli im Hof der Berliner Bendlerstraße erschossen. Über 7.000 Personen wurden verhaftet; bis zum Kriegsende wurden Tausende hingerichtet. Im heutigen Ehrenhof, in dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg seinen Tod fand, ist zu lesen:
Die Werte des deutschen Grundgesetzes sind auch ihr Vermächtnis: Freiheit und Menschenwürde. Sie sind unvereinbar mit jeglicher „kollektiven Opferbereitschaft“. Wir gedenken der Soldaten,
In unserer Stadt starben eine unbekannte Anzahl inhaftierter Kriegsgefangener. Diejenigen, die mit dem Kriegsende die Gewaltherrschaft überlebten, kehrten von Meerane aus in ihre Heimatländer nach Frankreich und Italien, nach Serbien und in die Sowjetunion zurück. Der nationale Wahnsinn führte zu Vertreibung; insgesamt wurden 14 Millionen Menschen aus Deutschland zu Flüchtlingen, auf der Suche nach einer neuen Heimat, die auch in Meerane gefunden wurde. Blicken wird in die Jahre 1918/1919. Bis zum 25. September 1918 waren etwa 4.500 Männer aus Meerane in den 1. Weltkrieg gezogen (knapp 20% der damaligen Stadtbevölkerung). Über 1000 Meeraner Männer kehrten nicht zurück. Sie starben auf den Schlachtfeldern Europas. Ihre Namen sind in den Gedenkstätten unserer Stadt zu lesen. Viele von ihnen sind in Frankreich, in Verdun, im Kriegsjahr 1916 gefallen. Wir gedenken heute auch der Meeraner Männer, die ihre Gefangenschaft nicht überlebten und vor allem in den unmenschlichen Lagern der stalinistischen Sowjetunion den Tod fanden. Wir gedenken derer, Im Januar 1941 ist in den Meeraner Heimatstimmen über Meerane im Jahre 1940 zu lesen: „Zu Beginn des neuen Jahres, am 7. Januar, hatte der Meeraner Hoheitsträger die Parteigenossen und die gesamte Einwohnerschaft zu einer Kundgebung auf den Marktplatz aufgerufen (…) Ein besonderes Ereignis in der Geschichte der Stadt Meerane stand im Mittelpunkte dieser kurzen, aber eindrucksvollen Kundgebung: die Mitteilung des Ortsgruppenleiters, Parteigenossen Koch, dass unsere Stadt seit dem 3. Januar 1940 frei von Juden sei. Diese Feststellung wurde von den Versammelten mit größter Begeisterung aufgenommen.“ Wir gedenken derer, Wir trauern heute aber auch um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, Deshalb ist es richtig und wichtig, dass deutsche Soldaten an Friedensmissionen in der Welt beteiligt sind. Deutschland stellt sich damit der Verantwortung, die die internationale Staatengemeinschaft von unserem Land erwartet. Denn nicht beiseite zu stehen, sondern Verantwortung zu übernehmen, ist eine der Lehren unserer eigenen Geschichte. Die Werte des deutschen Grundgesetzes sind auch ihr Vermächtnis: Freiheit und Menschenwürde. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
|
|
| Gedenkfeier auf dem Seiferitzer Friedhof / Einweihung neuer Namensschilder |
|
![]() |
![]() |
![]() Nach der Gedenkfeier auf dem Meeraner Friedhof trafen sich viele der Teilnehmer nochmals auf dem Friedhof in Seiferitz. Hier sind unter einer Trauerweide Namensschilder mit den Namen gefallener Soldaten aus Seiferitz und dem Seiferitzer Anteil, die nach dem 2. Weltkrieg als Form der Trauerarbeit von den Familien angebracht wurden. Die ursprünglichen Namensschilder wurden jetzt durch die Stadt Meerane erneuert, Bürgermeister Professor Dr. Ungerer und die Reservistenkameradschaft Pleißental legten hier ebenfalls Gebinde ab. Bürgermeister Professor Dr. Ungerer verlas die Namen und das Geburts- und Todesdatum der Gefallenen. „Wir erinnern an das Schicksal der Soldaten aus Seiferitz und dem Seiferitzer Anteil, darunter sehr viele junge Männer von 19 oder 20 Jahren“, sagte er. |
|