Aktuelles (05.01.2010)

 

Abbruch der IFA-Karosseriewerke beginnt mit Riesenknaller

Mit einem „großen Knall“ erfolgte heute fünf Tage nach Silvester um 12:00 die Sprengung des Industrieschornsteins auf dem Gelände des ehemaligen IFA Karosseriewerkes in der Waldenburger Straße 64-86. Der Schornstein besteht aus einem Klinkermauerwerk und hat eine Höhe von 40 Meter. Die Länge des zur Verfügung stehenden Fallbettes beträgt ca. 50 Meter. Es ist ausreichend, da mit einer maximalen Aufpralllänge des Schornsteins von 40 Metern gerechnet wird. Die beauftragte Sprengfirma Rolf Möhlmann aus Schöneck verwendet für die Sprengung einen gelatinösen Ammonsalpetersprengstoff.

Die kostengünstigere Sprengung des Industrieschornsteins ist Auftakt der Abbruchmaßnahme des IFA Karosseriewerkes in der Waldenburger Straße 64-86, die die Stadt Meerane durchführt. Für die Sprengung dienen die brachgefallenen Gebäude des Karosseriewerkes als Abschirmung, die in den kommenden Wochen abgetragen werden.

Mit der Waldenburger Straße 64-86 verbindet sich die letzte Industriebrache der ehemaligen VEB IFA Karosseriewerke Meerane mit einer Gesamtfläche von 20.540 qm. In den vergangenen Jahren konnten die ehemaligen IFA-Fertigungsbereiche am Merzenberg (5.187 qm) und im Rosental/Rotenberg (6.200 qm) rückgebaut werden.

Die Stadt Meerane ist Programmgemeinde des Förderprogrammes Brachenrevitalisierung des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung der Europäischen Union (EFRE), das der Freistaat Sachsen für Gemeinden und Städte in Sachsen umsetzt.

Im Rahmen des operationellen Programmes des Freistaates Sachsen für den Europäischen Fonds für Regionalentwicklung der Europäischen Union in der Förderperiode 2007 bis 2013 zur Revitalisierung von Industriebrachen und Konversionsflächen erhielt die Stadt Meerane auf Basis der Verwaltungsvorschriften Stadtentwicklung und Brachflächenrevitalisierung des Freistaates Sachsen für ihr Projekt „Ehemalige Industrieanlage IFA Karosseriewerke, Waldenburger Straße 64-86“ Fördermittel in Höhe von 678.310 Euro. Die Fördermittel dienen dem Rückbau der Gebäude und der Renaturierung des Baches in der Waldenburger Straße 64-86. Die Landesdirektion Chemnitz hat in ihrem Bescheid vom 20.07.2009 die zuwendungsfähigen Ausgaben auf 753.678 Euro festgesetzt. Davon sind 678.310 Euro Fördermittel (90% Fördermittelquote) und 75.367 Euro Eigenmittel der Stadt Meerane. Die Fördermittel setzen sich aus 565.258 Euro der Europäischen Union und 113.052 Euro des Freistaates Sachsen zusammen.

Das dem Zuwendungsbescheid vom 20.07.2009 folgende Ausschreibungs- und Vergabeverfahren wurde am 24.11.2009 durch den Vergabebeschluss des Meeraner Stadtrates beendet. Den Abbruchauftrag erhielt die Gößnitzer Abbruch & Recycling GmbH mit einer Angebotssumme von 305.372,45 Euro.
Noch im Dezember erfolgten die Vorbereitungen für das Vorhaben (Geländesicherung, Baustelleneinrichtung etc.), so dass pünktlich mit der ersten Kalenderwoche im neuen Jahr 2010 das Vorhaben startet. Insgesamt beinhaltet die Maßnahme den Abbruch der Gebäude und aller Bodenversiegelungen, die Renaturierung des Dittrichbaches, der quer durch das Gelände verläuft, und die Begrünung der Flächen sowie Planungsleistungen und Untersuchungen zur Einstufung der zu entsorgenden Materialien.

Für Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer ist die Abbruchmaßnahme ein weiterer bedeutsamer Schritt in der Stadtentwicklung:
„Mein Dank geht vor allem an den Freistaat Sachsen und hier insbesondere an die Landesdirektion Chemnitz für die weitsichtige und sehr gute Zusammenarbeit. Die Beseitigung industrieller Altbrachen wäre ohne die staatliche Unterstützung nicht zu bewerkstelligen. Damit können wir unsere städtebaulichen Ziele sehr gut erreichen. Ein Ziel der Stadterneuerung ist die Umwandlung brachgefallener Flächen. Das EFRE-Programm spricht von der Revitalisierung der Industriebrachen.

Für uns bedeutet dies zunächst die Beseitigung einer katastrophalen Bausubstanz, die neben der optischen Beeinträchtigung auch ein gewaltiges Gefahrenpotential darstellt. Dem folgt die Gestaltung neuer städtischer Räume, die entsprechend den Programmvorgaben mit der Natur korrespondieren. Es entstehen in den ehemaligen verdichteten innerstädtischen Industrieflächen Freizeit- und Erholungsräume, Grünzäsuren sowie die naturnahe Gestaltung der Meeraner Bäche.

Damit nehmen wir den Gedanken der „Gartenstadt Meerane“ wieder auf, der insbesondere durch die Parkanlagen in der Folge der Wunderlich-Stiftung im vergangenen Jahrhundert entwickelt wurde: Die geschaffenen Parklandschaften reichen bis in die Innenstadt. Mit der Entsiegelung der Altindustriestandorte schaffen wir weitere innerstädtische Freiräume, die angesichts der Verdichtung unserer Stadt verträglich sind, da die Stadt Meerane mit 836 Einwohnern/qkm zu den verdichteten Kommunen in Sachsen zählt. Zum Vergleich: Der Durchschnitt beträgt im Freistaat Sachsen 228 Einwohner/qkm und im Kreis Zwickau 367 Einwohner/qkm. Unsere Nachbarstädte Glauchau und Crimmitschau zählen 485 Einwohner/qkm bzw. 350 Einwohner/qkm.

Erfreulich ist weiterhin, dass wir bereits die nächsten Vorhaben unter Dach und Fach haben. Die Förderbescheide liegen für zwei weitere große ehemalige Industrieflächen vor. Beide Objekte sind mittlerweile im Eigentum der Stadt Meerane. Das kommunale Eigentum ist eine der Fördervoraussetzungen. Für die Jahre 2010/11 ist das Vorhaben ehemaliger Leuchtenbau in der Poststraße (4.321 qm) und für die Jahre 2011/12 das Vorhaben ehemalige ALWO in der Schmiederstraße (16.399 qm) eingetaktet.

Mir ist bewusst, dass bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auch Wehmut angesichts der Abbruchmaßnahmen mitschwingt. Die Industriebrache in der Waldenburger Straße ist jedoch ein weiteres Beispiel für den Strukturwandel, der dazu führte, dass es zum Rückbau der Industriebrache keine Alternative gibt. Einige historische Daten verdeutlichen, dass dieser Strukturwandel durch die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen verursacht ist.

Der gewerbliche Komplex Waldenburger Straße 64-86 geht auf die Gründung der Firma Colomon Batky sen. im Jahre 1866 zurück. Geführt wurde das Unternehmen als Färberei und Appretur. Die Produktionsanlagen in der Waldenburger Straße wurden in den Jahren 1889 bis 1939 kontinuierlich erweitert. Unmittelbar mit Einmarsch der Roten Armee in Meerane wurde nach Kriegsende die Produktionsanlage teilweise als Reparationszahlung an die Sowjetunion demontiert. Nach der Enteignungsphase der Fa. C. Batky Gesellschaft mbH in den Jahren nach 1945 übernahmen die ehemaligen VEB Textilveredlungswerke Glauchau die Produktionsanlagen als Werk III Meerane vorwiegend zur Veredlung von Damenoberbekleidungsstoffen. Mit Beginn des Jahres 1960 ging der Industriekomplex an die VEB Karosseriewerke Meerane über und wurde dann als Werk V (Waldenburger Straße) Bestandteil der VEB IFA Karosseriewerke Meerane. Er diente wesentlich als Lehrlackiererei, Kundendienst und Lager. Mit dem Ende der IFA blieb das Gelände seit 1991 ohne Nutzung.“

Das Gelände des ehemaligen IFA-Werkes in der Waldenburger Straße. Die rot markierten Gebäude wurden bereits vor einiger Zeit abgerissen. Die Nr. 105 markiert den Schornstein, der am 5. Januar 2010 gesprengt wurde.
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