Aktuelles (27.01.2010)

 

Erinnern und Gedenken: 27. Januar 1945 – 27. Januar 2010 – 65 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Stadt Meerane gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist in der Bundesrepublik Deutschland ein nationaler Gedenktag, der am 3. Januar 1996 durch Proklamation des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt wurde.

Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Lagers Auschwitz-Birkenau befreit. Das Konzentrationslager Auschwitz (-Birkenau) steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Opfer des Nazi-Regimes. Der Tag erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.

Die Stadt Meerane erinnert an das Leid der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer gedenkt ihrer (stellvertretend) am Grab der Familie Wertheim. Der Meeraner Unternehmer Josef Wertheim kam im Februar 1942 nach seiner Deportation im KZ Theresienstadt ums Leben. Sein Sohn Willy Wertheim starb in Folge schwerster Misshandlungen im September 1935, die er im KZ Sachsenburg ertragen musste.

Erinnert wird an Frau Frieda Blumenthal, die in der August-Bebel-Straße erfolgreich ein Bekleidungsgeschäft führte. Frau Blumenthal litt unter der SA: Boykottaktionen und ihre Verhaftung am 1. April 1933 brachten sie in eine verzweifelte Lage, die zu ihrem Freitod am 3. April 1933 führte.
Frieda Blumenthal war eine erfolgreiche, hilfsbereite und sehr geschätzte Meeraner Geschäftsfrau. Sie hing an ihrer Heimatstadt. Ihr Geschäft wurde nach ihrem Tod von Alfred Born, einem Neffen, übernommen. Alfred Born wurde am 9. November 1938 von der SA geschlagen und verhaftet. Laden und Wohnung wurden verwüstet. Er kam in das KZ Buchenwald und überlebte den Holocaust. Nicht seine Mutter Regina Born, die 1942 im KZ Theresienstadt zu Tode kam. Seine Schwester wurde deportiert; ihre Spuren verlieren sich einem der deutschen Vernichtungslager im europäischen Osten.

Die Stadt Meerane erinnert an die Ermordung des Meeraner Schriftstellers Erich Knauf, der am 2. Mai 1944 nach einem Urteil des nationalsozialistischen Volksgerichtshofes hingerichtet wurde.

Erich Knauf lebte in den 30/40er Jahren in Berlin. In einer der Bombennächte 1943 wurde Knauf in Berlin-Wilmersdorf zusammen mit Erich Ohser (e.o. plauen) bei einem Arzt untergebracht. In einem Luftschutzbunker wurden sie von einem Nachbarn belauscht, wie sie sich leise politische Witze erzählten, und von diesem denunziert. Knauf wurde am 28. März 1944 verhaftet, am 6. April 1944 vom Richter Roland Freisler am Volksgerichtshof „wegen defätistischer Äußerungen im Luftschutzkeller“ zum Tode verurteilt und am 2. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. Seine Witwe erhielt für die Kosten der Hinrichtung eine Rechnung. Die Verfahrenskosten, die die Witwe Erna Knauf bezahlen sollte, betrugen inklusive Hinrichtung 585,74 Reichsmark. Erich Ohser, der mit Knauf zusammen verhaftet worden war, entzog sich der Hinrichtung durch Freitod im Gefängnis. Der Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert hat in seinem biographischen Band mit dem Titel „Heimat deine Sterne“ das Leben Erich Knaufs gewürdigt.

Die Stadt Meerane erinnert an den Tod ihres Stadtrates Martin Hochmuth, der am 12.11.1941 im KZ Groß-Rosen zu Tode gebracht wurde.

Zu Beginn des Jahres 1933 hatte es in Meerane Demonstrationen gegen Adolf Hitler als Reichskanzler gegeben. Am 9. März 1933 besetzte jedoch die Glauchauer SA das Meeraner Rathaus, und einen Tag später wurden führende Vertreter der Meeraner SPD und KPD, darunter auch Martin Hochmuth, verhaftet.
Martin Hochmuth war Stadtrat in Meerane und engagierte sich vorbehaltlos für Menschlichkeit und soziale Belange. Mit seiner Verhaftung erlebte seine Familie schwerste Stunden. Seine Frau fand keine Arbeit, die Kinder wurden in der Schule verspottet und geschlagen. Das änderte sich auch nach seiner Entlassung nicht – die Stadt hat den einstigen Stadtrat nicht wieder aufgenommen.
Martin Hochmuth wurde erneut verhaftet, beschuldigt wegen Hochverrats und kam über das KZ Oranienburg ins KZ Groß-Rosen, wo er 1941 an den Folgen schwerster Misshandlungen starb.

Zum ehrenden Gedenken an die Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Stadt, die in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 vertrieben oder verschleppt, ermordet und zu Tode kamen.
Feierstunde anlässlich des Gedenktages am 27. Januar 2010 am Grab der Familie Wertheim auf dem Meeraner Friedhof. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer gedachte der Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt Meerane. Stadträte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung nahmen an der Feierstunde teil.

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