Aktuelles (06.05.2010)

 

Kriegsgräberanlagen I. und II. Weltkrieg auf dem Meeraner Friedhof eingeweiht


Nach den umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen wurden die Kriegsgräberanlagen I. und II. Weltkrieg auf dem Ev.-Luth. Friedhof in Meerane am 5. Mai 2010 in einer kleinen Feierstunde eingeweiht. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und Pfarrer Dr. Martin Teubner begrüßten dazu zahlreiche Gäste, darunter Stadträte, Mitglieder der Reservistenkameradschaft Pleißental vom Verband der Deutschen Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. und Meeraner Bürger.

Das Gesamtprojekt wurde in den vergangenen Monaten in Zusammenarbeit der Stadt mit der Kirchgemeinde als Träger des Friedhofes umgesetzt, informierte Professor Dr. Ungerer. „Unser Ziel war die Wiederherstellung der historischen Anlagen, zum Gedenken und zum Nachdenken. Die Anlagen dienen zum einen der Darstellung der Erinnerung und der Trauerarbeit der Familien, sie sind gleichzeitig auch Mahnmal und Erinnerung an Friedenspflicht. Die Kriegsgräberstätten erinnern an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“, sagte er und fügte in Verbindung mit dem Jahrestag des 8. Mai, dem Sieg der Alliierten über Hitlerdeutschland, hinzu: „Die Denkmale geben keine Antwort auf das Warum des Krieges, beide Denkmale bieten jedoch Anlass zur Auseinandersetzung. Es sind offene Denkmale, die unser Grundanliegen zeigen, dass die Opfer im Gedenken der Menschen und der Stadt weiterleben sollen.“
Bestimmte Begrifflichkeiten wie Gefallene, Invaliden oder Verwundete wurden lange Jahre nicht verwendet, bzw. mussten nicht verwendet werden. Mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan kehren diese Begriffe zurück. „Wir haben die Verpflichtung zur Auseinandersetzung, zur Auseinandersetzung mit Trauer und dem Leid der Familien“, betonte der Bürgermeister.
Bezug nahm Professor Dr. Ungerer auch auf den jährlich am 9. Mai begangenen Europatag. Die europäische Idee geht zurück auf den damaligen französischen Außenminister Robert Schumann, der 1950 eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ziel einer künftigen friedlichen Entwicklung in Europa verband, informierte er. Die 1951 gegründete Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) ist der Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft. „Die Aussöhnung und die deutsch-französische Freundschaft sind ein Kernpunkt der europäischen Geschichte“, so der Bürgermeister.

Die Instandsetzung der beiden Kriegsgräberanlagen auf dem Meeraner Friedhof wurde bereits seit einigen Jahren verfolgt. Durch viele Jahrzehnte nur einfacher Pflege waren die historischen Strukturen beider Kriegsgräberanlagen nicht mehr zu sehen, Teilbereiche der Anlagen zugewachsen. Durch Fördermittel des Sächsischen Landesamtes für Familie und Soziales bzw. der Landesdirektion Chemnitz konnte das Vorhaben nun umgesetzt werden, informierte Umweltreferentin Erdmute Stäuber. Bürgermeister Professor Dr. Ungerer dankte dem Freistaat Sachsen für die bereitgestellte Fördersumme von rund 65.000 Euro.
Im Mai 2009 wurde mit den Arbeiten begonnen, die Planungen erfolgten durch das Ingenieurbüro für Landschaftspflege Christiane Schölzke in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege. Die grundhafte Instandsetzung umfasste Steinmetzarbeiten, Wegebau und Herstellung der Vegetationsbereiche.

Die Kriegsgräberstätte I. Weltkrieg wurde 1916 zuerst mit einem Ehrenhain errichtet. 1919 wurde das Kruzifix aufgestellt, 1926 die Ehrenhalle errichtet. Rund 4500 Meeraner waren in den 1. Weltkrieg gezogen, über 1000 kehrten nicht zurück, erinnerte Professor Dr. Ungerer. Nur 74 Gefallene wurden in Meerane beerdigt, die Namen der anderen im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten sind an der Ehrenhalle zu lesen.
Im Rahmen der grundhaften Instandsetzung wurden die Kreuze restauriert und namensgerecht zugeordnet, die historischen Zugangsbereiche wiederhergestellt und das zugewachsene Kruzifix freigeschnitten. Die Einfriedung der Anlage erfolgte nach historischen Vorgaben, die bestehenden Gehölze wurden erhalten. Auf der Grabfläche selbst wurde ein Rasen mit 1000 Stück weißblühenden Krokussen angelegt, die symbolisch für alle Opfer stehen.

Die Kriegsgräberstätte II. Weltkrieg wurde 1942 mit der Anlage von Grabfeldern für die gefallenen Soldaten begonnen, 1955 erfolgte eine einheitliche Gestaltung des Ehrenhains mit Liegetafeln, 1960 wurde der Gedenkstein aufgestellt.
Ein Ziel der Instandsetzung war es, den Zusammenhang der Anlage wieder herzustellen, was durch die Gestaltung eines Vorplatzes, der Gedenkstein und Grabfeld verbindet, gelungen ist. Die Grabfelder mit den Liegetafeln, die nun wieder zu sehen sind, wurden mit neuen Stauden bepflanzt, ein Wegesystem neu angelegt und die gesamte Anlage durch Heckenbereiche und Formgehölze begrenzt.

„Beide Anlagen vermitteln nun einen sehr guten Eindruck. Das Ziel der Wiederherstellung in einen würdigen Zustand ist erreicht“, so der Bürgermeister. Er dankte abschließend nochmals den Fördermittelstellen und allen an der Instandsetzung beteiligten Behörden, Mitarbeitern und Unternehmen.








Foto links: Auch die Anlage für die Ruhestätte polnischer Staatsbürger, die durch den Faschismus verschleppt wurden, wurde umgestaltet und damit wieder sichtbar gemacht.

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