Aktuelles (19.05.2010)

 

Postgebäude werden Domizil für städtische Ausstellungen und Archive

Die ehemaligen Gebäude der Post in der Poststraße – das neobarocke Postgebäude (Nr. 20-24) und die alte Post (Nr. 26) – befinden sich seit 1. März 2010 im Besitz der Stadt Meerane. Nachdem der Stadtrat im Mai 2008 beschlossen hatte, das Vorkaufsrecht für diese Gebäude auszuüben, liefen die Verhandlungen mit dem bisherigen Eigentümer, der Deutschen Post, die Anfang des Jahres erfolgreich abgeschlossen werden konnten, informierte Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer.

Die Alte Post, Poststraße 26, wurde 1866 eingeweiht, das neobarocke Postgebäude, Poststraße 20-24, im Jahre 1902 (Bild links eine Ansicht der Poststraße um ca. 1910).
Vor acht Jahren, 2002, war die Post geschlossen worden.
Ursprünglich hatte die Deutsche Post geplant, beide Meeraner Postgebäude zusammen mit weiteren über 100 ehemaligen Postgebäuden in Sachsen an einen Immobilienfonds zu verkaufen. Per Notarvertrag wurde die Stadt Meerane davon im Frühjahr 2008 informiert.
„Bei Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, haben die sächsischen Kommunen jedoch das Vorkaufsrecht. Beide Gebäude sind sehr bedeutsam für Meerane, die neobarocke Post ist eines der beeindruckendsten Bauwerke in unserer Stadt. Wir wollten die weitere Gestaltung dieser Objekte selbst in die Hand nehmen und verhindern, dass diese in einen anonymen Fonds ‚abtauchen‘“, informierte Professor Dr. Ungerer über die Gründe, das Vorkaufsrecht auszuüben. Die Entscheidung fällte der Stadtrat nach einer Begehung beider Objekte. „Wir sind sehr froh, dass der Stadtrat diesen Beschluss gefasst hat. Beide Postgebäude sind stadtbildprägend, wir haben nun die Möglichkeit, diese zu entwickeln und den Bestand für die Zukunft zu sichern“, ergänzte er. Rund 304.000 Euro kosteten die beiden Gebäude, das Geld wurde aus der Rücklage entnommen.

Zur künftigen Nutzung gibt es bereits konkrete Pläne. Zuerst gab es Überlegungen, ein Zentrum für Seniorenbegegnung und Seniorenwohnen in der Alten Post einzurichten. Der Eigenbetrieb Seniora hat dies untersucht, die Umgestaltung wäre jedoch aufgrund der inzwischen erforderlichen hohen baulichen Standards unrentabel, erklärte der Bürgermeister.
„Unser Ziel ist, in beiden Objekten künftig das Stadtarchiv unterzubringen und in diesem Zusammenhang verschiedene Ausstellungen zu entwickeln und zu präsentieren. Der alte Paketsaal im neobarocken Postgebäude eignet sich zum Beispiel zur Präsentation der Technik-Sammlung der Stadt, zu der alte Textilmaschinen und Fahrzeuge gehören. Hier können auch die historischen Garagen auf dem Gelände genutzt werden“, informiert der Bürgermeister. Bisher befindet sich das Verwaltungsarchiv in der ehemaligen Schweitzer-Schule, die historische Technik ist an verschiedenen Standorten untergebracht.
Der Saal in der 1. Etage der neobarocken Post wird als Festsaal für unterschiedlichste Zwecke entwickelt, damit würde die Stadt wieder über einen historischen Festsaal verfügen.
Die Stadt bemüht sich derzeit auch um die Rückgabe ihrer historischen Waffensammlung. Diese wurde zu DDR-Zeiten beim Rat des Kreises eingelagert. Die baulichen Gegebenheiten des neobarocken Postgebäudes würden eine Ausstellung der historischen Waffen erlauben, so Professor Dr. Ungerer.

Das neue Postgebäude befindet sich in einem sehr guten Zustand, auch Heizung/Elektroanlagen sind hier bereits modernisiert. Der Paketzustelldienst der Deutschen Post AG wird weiterhin die Räume im rückwärtigen Teil des Gebäudes nutzen, in diesen Vertrag ist die Stadt eingetreten.
Die Alte Post wird ebenfalls erhalten bleiben, lediglich ein maroder Seitenflügel im hinteren Bereich wird abgebrochen. Der Sanierungsaufwand ist hier höher. Zwar ist das Gebäude in einem guten baulichen Zustand, doch sämtliche Versorgungsanlagen, Fassade, Fenster etc. sind marode.
Als erster Schritt wird nun die Umgestaltung des ehemaligen Paketsaales im neobarocken Postgebäude in Angriff genommen, erklärte Bürgermeister Professor Dr. Ungerer. Die Kostenschätzung wird derzeit erarbeitet. Überlegungen gibt es auch, den Postvorplatz neu zu gestalten. Künftig soll auch die Anbindung des Geländes von der Annenstraße aus gerichtet werden. Der Zeitrahmen für alle Vorhaben umfasst zwei bis drei Jahre, schätzt Professor Dr. Ungerer.

Fotos: In den beiden Postgebäuden an der Poststraße sollen künftig das Stadtarchiv und historische Sammlungen ihren Platz finden.


<< zurück