Aktuelles (16.06.2010)
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Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer zum nationalen Gedenktag des 17. Juni
Als vor 57 Jahren mehr als eine Million Menschen in der DDR auf die Straßen gingen und gegen das SED-Regime protestierten, war dies ein Tag des Aufbruchs. Ein Aufbruch, der mit der Forderung nach Demokratie und Freiheit verbunden war. Die Demonstranten am 17. Juni 1953 wehrten sich gegen verschlechterte Lebensbedingungen und politische Unterdrückung. Nach den Erhöhungen der Arbeitsnormen, die eine Lohnsenkung von bis zu 30 Prozent zur Folge hatten, begannen in Berlin Bauarbeiter am 16. Juni einen spontanen Streik. Der Arbeiterprotest gegen die Erhöhung ihrer Leistungsnorm entwickelte sich schnell zu einem landesweiten Aufstand, an dem sich mehr als eine Million Menschen beteiligten. Dazu gehörte auch ein Streik im EKM Meerane (VEB Kombinat Großdampferzeuger Berlin, Betrieb Dampfkesselbau Meerane). Am Mittag des 17. Juni verhängten die sowjetischen Stadtkommandanten das Kriegsrecht über Ost-Berlin und die meisten Kreisstädte. Bis zum Abend beendeten sowjetische Truppen mit Panzern sowie Volkspolizisten und Stasi-Angehörige den Aufstand. Bei der blutigen Niederschlagung sind allein auf den Straßen mehr als 50 Männer und Frauen getötet worden. Später wurden mehr als 13.000 Menschen verhaftet, über 2.000 Menschen zu Gefängnisstrafen verurteilt und mindestens 20 Todesurteile vollstreckt. Heute gedenken wir ihrem Mut für Freiheit und Demokratie. Der 17. Juni 1953 hat seinen späten Sieg mit der friedlichen Revolution 1989 in der DDR errungen. Der 17. Juni 1953 ist auch Ausdruck des Freiheitswillens und hat hier seine überragende Bedeutung in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Am 20. Juni 1991 formulierte dies trefflich im Deutschen Bundestag Willy Brandt: „Für mich gehört zu den unauslöschlichen Daten meines Lebens das, was wenige Jahre nach dem Krieg im deutschen Westen an neuer freiheitlicher Staatlichkeit errichtet worden ist. (….) Doch die freiheitliche Selbstbehauptung West-Berlins ging dem noch voraus. Die Wiege der deutsch-westlichen Freundschaft stand an der Spree. Die Volkserhebung vom Juni 1953 in Ost-Berlin stand nicht am Ende, sondern am Anfang jenes Kettenrasselns, aus dem jetzt die gesamtdeutsche Einheit in Freiheit wurde.“ |