Nachtrag: TASSO in China
Meeraner Graffitikünstler zu Gast auf Expo in Shanghai
Völlig müde und gestresst, aber begeistert und mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck ist der Meeraner Graffiti-Künstler TASSO – Jens Müller – aus China zurückgekehrt. Vom 17. bis 30. Mai 2010 war TASSO auf Einladung des „Hip-Hop-Stützpunktes“ Berlin als offizieller Repräsentant der deutschen Hip-Hop-Kultur (Graffiti, Rap, Breakdance, Beatboxen) zu Gast in China und zu Gast auf der Expo 2010. Gemeinsam mit vier Graffiti-Künstlern aus Berlin, Bremen, Stuttgart und München und weiteren Hip-Hop-Künstlern gestaltete TASSO zum Deutschen Nationen Tag auf der Expo, direkt vor dem Deutschen Pavillon, eine Präsentation mit Musik, Tanz und Kunst – Graffiti-Kunst.
„Anfang des Jahres hat mich der Hip-Hop-Stützpunkt Berlin angesprochen, ob ich mit nach China reisen möchte. Die Reise war total beeindruckend. Stress, Abenteuer, aber alles super. Ich war vorher noch nie in China. Wir haben nicht nur Shanghai und die Expo gesehen, wir waren auch in Guangzhou, 2000 Kilometer südlich, wo wir uns in einer neu eröffneten Galerie präsentieren konnten. Wir waren in Ecken, wo man als normaler Tourist nie hinkommt. Und ich habe Bundespräsident Horst Köhler auf der Expo getroffen“, erzählt TASSO nach seiner Rückkehr.
Über seine Erlebnisse während der Reise hat TASSO - trotz Arbeit, Stress und Müdigkeit – ein Tagebuch geführt. Dieses erzählt neben den großen Ereignissen wie der Präsentation beim Deutschen Nationen Tag am 19. Mai und dem abendlichen Empfang bei Bundespräsident Horst Köhler auch von vielen kleinen Ereignissen und Beobachtungen, die TASSO während seines Aufenthaltes in China machte.
In der „Graffiti-Art-School“ in Shanghai – „so etwas gibt es nicht mal bei uns in Deutschland“, erzählte TASSO begeistert, bemalten die deutschen Graffiti-Künstler während eines Workshops am 20. Mai Wände und auch Leinwände.
Außerhalb des Protokolls bemalten die Graffiti-Künstler in einem angrenzenden Wohnviertel die kleinen ärmlichen Häuschen der Bewohner – natürlich nicht ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. „… ich malte einen kleinen Jungen, der in einer Zinkwanne saß und badete. Ständig hatte ich dabei eine Traube Leute hinter mir, die so etwas Eigenartiges noch nie gesehen hatten und sich sicher wunderten. Wieso kommt dieser Europäer in unser Viertel? Und malt der Familie ‚Soundso‘ ein Bild an die Wand? Als es dunkel wurde, brachte mir die Frau des Hauses ihre Nachttischlampe, damit ich mehr Licht habe…“ „Die Leute, die zuschauten, haben trotz der Sprachbarrieren versucht, uns zu sagen, dass sie es klasse finden, was wir machen“, erzählt TASSO.
An einem freien Tag besuchte TASSO die Expo nochmal als ganz normaler Besucher und schaute sich auch den Deutschen Pavillon noch einmal in Ruhe an. „Sehr beeindruckend, was die da auf die Beine gestellt haben“, so sein Fazit.
Am 27. Mai reisten die Graffiti-Künstler dann nach Guangzhou, wo eine neue Galerie eröffnet wurde und TASSO und seine Mitstreiter die Gelegenheit hatten, auf dem Gelände vor dem Publikum zu malen. Zwischen Hektik und Stress, Gesprächen mit Galerieleitern, Nachwuchstalenten, Journalisten und Kollegen, trotz subtropischen Klimas mit praller Sonne und starkem Regen ist es dem Meeraner gelungen, dort sein Bild – ein Graffoto mit dem Titel „Es ist nicht leicht, jeden Tag ein Künstler zu sein“, zu vollenden. „Ich habe Beweisfotos gemacht, denn das Bild werde ich wahrscheinlich nie mehr wieder sehen. Zu sehen bin ich, wie ich in Malklamotten, mit heraushängender Zunge, waagerecht an der Wand hänge. Daneben habe ich mir in drei Sprachen taggen lassen: ICH BIN KUNST! Naja, nach der Resonanz zu urteilen, kam das riesig bei den Besuchern und auch der Galerieleitung an“, erzählt TASSO.
Am 30. Mai 2010 ging es dann mit dem Flieger wieder zurück nach Deutschland.
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