Aktuelles (01.11.2010)

 

Übergabe „Das neue AxA-Gelände“

Nach Abschluss aller Baumaßnahmen hat Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer heute das umgestaltete "Neue AxA-Gelände" übergeben. Dazu begrüßte er zahlreiche Bürger, Vertreter der am Bau beteiligten Unternehmen und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die das Gesamtprojekt begleitet hatten.

Ansprache Bürgermeister
Professor Dr. Lothar Ungerer

Wir übergeben heute ein städtisches Quartier der Öffentlichkeit, dessen Lage durch Seiferitzbach, Badener Straße, Leipziger Straße und Bahnhofstraße klar begrenzt ist. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (2002) wurde es wie folgt erfasst: Industriebrache 7 mit höchster Priorität, ehemaliges AxA-Gelände, 24.300 qm Gesamtfläche, Innenstadt Teilgebiet b).
Als Lösungsansätze enthielt das Konzept: Bachöffnung (Reaktivierung Seiferitzbach), Parkplatzfläche und Grünfläche mit Fußwegen.
Heute können wir das Quartier der Öffentlichkeit übergeben. Das Konzept ist Realität. Entstanden ist eine großräumige urbane Platzanlage, dessen Bezeichnung AxA-Gelände uns auch weiter begleiten wird.
Das neue Platzensemble ist ein weiteres vollendetes Vorhaben des städtebaulichen Meeraner Platzkonzeptes.

Ich darf Ihnen in Erinnerung rufen, dass der Bestand der Meeraner Plätze seit den Jahren 2001/2002 erweitert und gestaltet wird. Im Kern haben wir das
Innerstädtische Dreieck, mit Teichplatz /Kirchplatz – (Neumarkt) – Marktplatz (Wilhelm-Wunderlich-Platz) – Lörracher Platz (Bornberganlage).
In einem ersten innerstädtischen Erweiterungsring liegen Wettiner Platz, Bürgergarten, Altmarkt, Platz am Weberbrunnen, Platz am Meistereck, Willibald-Krause-Platz, heute das AxA-Gelände und im nächsten Jahr der neue Bahnhofsplatz.
Der zweite Erweiterungsring beinhaltet das Quartier Waldenburger Straße/Talstraße (ehemals IFA) und Rosental (ehemals IFA).

Waren in den 1990er Jahren Pilotprojekte und Einzelmaßnahmen im AxA-Gelände anzutreffen, so startete die systematische Umgestaltung des AxA-Geländes als Gesamtprojekt am 21.09.2009 (Baubeginn), getragen durch das Förderprogramm Stadtumbau Ost – Aufwertung. Bereits im Jahre 2008 wurde die Zufahrt von der Badener Straße aus modernisiert. Vorab erfolgte die Brückensanierung (Seiferitzbach/Badener Straße) und Kanalarbeiten des Abwasserzweckverbandes.
Die Freigabe der Parkplätze konnte dann am 7.12.2009 vollzogen werden. Bewegt wurden 108 Tonnen Bauschutt, 1.122 Tonnen Betonbruch und 970 Tonnen Bodenaushub.

Mit dem Februar 2010 starteten drei Vorhaben:

1. Beräumung und Öffnung des Seiferitzbaches mit dem Ziel seiner Renaturierung.
2. Errichtung von Fußwegen: Badener Straße bis Leipziger Straße, Leipziger Straße bis Karl-Heinz-Freiberger-Halle und Verbindung zum Rosarium.
3. Abbruch der ehemaligen Tankstelle in der Badener Straße und die Schaffung von weiteren 11 Stellplätzen (einschließlich zweier Behindertenparkplätze).
Bewegt wurden bei diesen Vorhaben 4.800 Tonnen Erdaushub, 2.900 Tonnen Betonbruch, 150 Tonnen Wasserbausteine und 80 Stück Winkelstützelemente.

Wir haben nun heute eine Situation am Seiferitzbach wie vor 1861. Erlauben Sie mir an diesem stadthistorisch bedeutsamen Ort zwei kurze geschichtliche Rückblicke.

1. Tankstelle. Nach Angabe der Meeraner Ortschronisten entwickelte Otto Singer aus Crimmitschau mit seiner Frau Gertrud im Jahr 1936 die Tankstelle an der Badener Straße, die dann 1937 eröffnet wurde. Otto Singer unterhielt bereits in Crimmitschau eine Tankstelle und ein Taxigeschäft. 1972 übernahm Gertrud Saalfeld die Tankstelle, die 1980 an Minol verpachtet wurde. Die Mineralölgesellschaft ELF/TOTAL zog sich im Jahre 2005 von der Tankstelle zurück. Es kam zur Schließung. Die Stadt Meerane hat die Tankstelle von Herrn Reinhard Lenk erworben.

Blick auf das "Neue AxA-Gelände" aus Richtung Leipziger Straße.
Vergleich Alt-Neu: Blick von der Straße "Am Bahnhof" auf das AxA-Gelände, auf beiden Bildern rechts im Hintergrund zu sehen die Kirche St. Martin.
Vergleich Alt-Neu: Blick in Richtung Leipziger Straße.


2. Das AxA-Gelände ist mit zwei Personen eng verknüpft: Johann Heinrich Bornemann und Helmut Pullwitt. Dazu blicken wir zunächst in die Leopoldsche Chronik aus dem Jahre 1863 (Seite 176). Dr. Leopold berichtet:
In älteren Zeiten gab es nur eine einzige schmale hölzerne Brücke, welche über den Seiferitzer Bach von der Stadt nach Schwanefeld führte, die nicht sehr fest gewesen sein mag, da, wie sich noch Manche errinnern können, man bei dem Durchzuge der Russen vor der Schlacht bei Leipzig befürchtete, dass sie unter der Last der darüber hingehenden Artillerie einstürzen würde.
Statt derselben wurde im Jahre 1842 (vollendet 20. Juli) eine neue steinerne Brücke gebaut. Die übrigen Communicationswege für Wagen gingen früher mitten durch die Bäche (….). Für Fußgänger gab es nur schmale Stege, welche bei großem Wasser gewöhnlich weggerissen wurden.“

Die von Dr. Leopold beschriebene (Mühlen)Brücke ist die älteste und war lange Zeit auch die einzige befahrbare Meeraner Brücke. Der Brückenname kam von einer alten Mühle, die nahe der Brücke stand.
Von der Brücke zweigte ein Fußweg in den Tännichtgrund ab. 1858 wurde der Eisenbahntunnel über diesen Grund gebaut. An diesem Weg errichteten die Meeraner 1933 das Rosarium.
Am linken Ufer des Seiferitzbaches existierte ein weiterer Fußweg in Richtung Annenstraße. Ca. 30 Meter von der Mühlenbrücke entfernt stand ein altes Haus, das dem Schuhmacher Karl Gottlob Stein gehörte, der auch Schankwirt war und mit Flaschenbier handelte. Auf der Suche nach einem Firmengelände wurde Johann Heinrich Bornemann neben der Steinschen „Bierkneipe“ fündig. Er errichtete ein großes Gebäude und eröffnete 1839 seine Färberei. Im Rahmen der Erweiterungen kaufte er 1850 das Steinsche Haus.
In den Jahren 1861/62 ließ Bornemann einen größeren Abschnitt des Seiferitzbaches ab der Mühlenbrücke überwölben. Am Brückenbogen ließ er einen Schlussstein einbringen. Der Stein wurde mit der Inschrift „J. H. B. 1861 bis 1862“ versehen.
Der Brückenstein wurde vor dem Abbruch der Bachüberbauung von der Stadtverwaltung gesichert, aufbereitet und wieder am Brückengewölbe eingebracht.
Die von Johann Heinrich Bornemann 1839 gegründete Färberei und Appretur wurde 1921 in eine AG umgewandelt. Direktoren waren die Herren Albert Bornemann und Ernst Funke. Mit dem 1. Oktober 1929 kam es zur Stilllegung des Betriebes, der damals 30 Beamte und 442 Arbeiter zählte.

1945 gründete Helmut Pullwitt das AxA Konserven und Nahrungsmittelwerk, einen Betrieb zur Herstellung u. a. von Essig, Essigessenzen, Senf, Obstkonserven und Gewürzgurken, der bereits 1947 150 Mitarbeiter beschäftigte. Er richtete seine Betriebsstätte in dem ehemaligen Bornemannschen Werk ein.
Wie kam es zum Firmennamen AxA? Helmut Pullwitt weilte in den Jahren 1939/40 in Prag und wohnte dort im Hotel AXA, das es in der Prager Innenstadt heute noch gibt. Helmut Pullwitt war zu dieser Zeit angestellter Chemiker in einer Firma. Ihm haben Hotel und Hotelname so gefallen, dass es er damals entschied, eine eigene Firma „AxA“ zu nennen.
Begonnen wurde zunächst mit der Herstellung von Heißgetränken, Zuckerrübensirup, Essig aus Molke und Brotaufstrich aus Rapsschrot. Die Produktion des legendären AxA-Speisesenfs begann 1949. Im Jahre 1972 wurde das Unternehmen verstaatlicht und hieß bis 1990 VEB AxA Konservenfabrik Meerane. Eine Fortführung des Unternehmens war 1990 auf dem AxA-Firmengelände nicht mehr möglich. Durch das Engagement der Söhne des Firmengründers, Rainer und Dieter Pullwitt, entschloss sich die Firma Speyer & Grund in Meerane zu investieren. Das Unternehmen Speyer & Grund produziert seit Mai 1993 im Wirtschaftszentrum. Den Namen AxA führt das Unternehmen weiter.

Ich danke heute für das neue AxA-Quartier den Verantwortlichen für Planung, Durchführung und Finanzierung. Das sind die Firmen HSE-Bau Glauchau GmbH, Betonstein GmbH Chemnitz für die eigens angefertigten Winkelstützelemente des Baches, Ingenieurbüro Klier + Partner Glauchau für die Planung und Bauüberwachung und die Fachbereichsleiterin Frau Birgit Jantsch, die das Vorhaben in der Stadtverwaltung managte.
Ich danke Herrn Reinhard Lenk für die sehr gute Zusammenarbeit in Sachen Tankstelle. Ein besonderer Dank geht an Bund und Land für die Fördermittel in Höhe von 375.167 € und an den Stadtrat der Stadt Meerane für die Freigabe der Eigenmittel in Höhe von 187.583 €, so dass alle Maßnahmen, die seit Jahren unter dem Projekt „Neues AxA-Gelände“ laufen, sich auf 562.750 € summieren.

Mit dem Blick in das kommende Jahr und dem zentralen Vorhaben der Neugestaltung des Bahn- und Bahnhofbereiches ist das neue AxA-Quartier eine ansprechende Brücke von der neuen Verknüpfungsstelle zur Innenstadt.
Für heute freuen wir uns über 24.300 qm neu gestaltetes Meerane mit einem geöffneten und renaturierten Gewässer. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Im Beisein zahlreicher Gäste übergab Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer das neue "Axa-Gelände".
Blick in Richtung Badener Straße.  
Der geöffnete Seiferitzbach.  

Geschaffen wurde auch eine fußläufige Verbindung vom Axa-Gelände zum Rosarium, die perspektivisch zur neuen Verknüpfungsstelle am Bahnhof führt. Damit, so der Bürgermeister, wird das AxA-Quartier zur "Brücke in die Meeraner Innenstadt".
Auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle, die im Mai 2010 abgebrochen wurde (Bild rechts) sind Parkflächen entstanden, die bereits rege genutzt werden.

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