Aktuelles (29.10.2010)

 

 

Übergabe und Einweihung des „Gartens am Alten Rathaus“

29.10.2010
Ansprache Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer

Nach dem Abbruch der alten und überaus maroden Bausubstanz in der Marienstraße 27/29 und in der August-Bebel-Straße 24-28 wurde diese innerstädtische Fläche mit drei Elementen realisiert. Entlang der Marienstraße entstanden Stellplätze für Pkw, die Fläche bis zur August-Bebel-Straße wurde als Garten am Alten Rathaus entwickelt und die rückwärtige Wand des Rathaus-Anbaus wurde mit einer Begrünung und einem französischem Balkon als Blickfang gestaltet. Mit dieser Baumaßnahme ist ein weiterer Mosaikstein zur attraktiveren Gestaltung der Meeraner Innenstadt gesetzt.

Der „Garten am Alten Rathaus“ dient als innerstädtische Grünfläche und lädt zum Verweilen ein.
Entstanden ist auch eine Wegverbindung zwischen Marienstraße und August-Bebel-Straße, die bereits historisch als Gasse bestand. Damit hat sich gleichzeitig eine neue Sichtachse von der Friedrichstraße bis zum Areal des Simmel-Einkaufsmarktes entwickelt. Städteplanerisch betrachtet korrespondiert der „‚Garten am Alten Rathaus“ mit dem Wilhelm-Wunderlich-Platz, der sich in seiner Gestaltung mit Pflaster und Gehwegplatten versiegelt präsentiert. So begegnen sich geöffnete Flächen mit klassischen urbanen Flächen auf kürzester Distanz, die beide auf ihre Art und Weise zum Verweilen einladen.

Durch den Abbruch der Gebäude wurde der Anbau an das Alte Rathaus sichtbar. Dieser Anbau beherbergte die ehemalige Fronfeste. Aus der Historie des Alten Rathauses ist überliefert, dass am 30.September/1.Oktober 1790 ein verheerendes Feuer die „Commungebäude“ Rathaus, Fronfeste, Weinkeller und Schweinestall beschädigte. 1791 wurden alle Gebäude, Rathaus und Fronfeste (nur das Erdgeschoss in Stein) wieder hergestellt. 1870 erfolgte der Ausbau der dreistöckigen Fronfeste in Stein.
Die vielfältigen Neubaupläne sahen u. a. bis 1913 vor, dass nur das Areal südlich des Rathauses für einen Neubau in Frage kämen. Es wurden die Grundstücke hinter dem Rathaus, zwischen Augustusstraße und Marienstraße aufgekauft. Die finanzielle Not während und nach dem Ersten Weltkrieg ließen den Plan jedoch nicht Realität werden. So wurden die Grundstücke wieder veräußert. Die heute sichtbare Wand der Fronfeste stammt somit aus dem Jahre 1870.

Gestalterisch wird ein Teil dieser Wand begrünt, zu diesem Zweck wurde dort ein grober Außenputz angebracht. Die Kletterpflanzen werden in den Garten integriert. Das Rankgitter, in Edelstahl gestaltet, ist eine Schenkung der Meeraner Dampfkesselbau GmbH. Die Anbringung wird im Frühjahr 2011 erfolgen.

Beibehalten wurden die vergitterten Fensterelemente der ehemaligen Fronfeste. Zum Vorschein kam aber auch überraschenderweise eine ehemalige Tür im ersten Obergeschoss, die jetzt neu als bodentiefes Fenster - umrahmt mit Naturstein und mit einem historischen Geländer versehen - einen französischen Balkon bildet. Das neue bodentiefe Fenster öffnet den Blick in die historische Bibliothek, die sich in diesem Bereich des Gebäudes befindet.

Welche Besonderheit hat nun das angebrachte historische Geländer?
Dazu blicken wir auf die andere Straßenseite. An der August-Bebel-Straße 63 (vormals Augustusstraße)/Augasse befand sich ein Gebäudekomplex mit Fabrikations-, Wohn- und Verwaltungsgebäuden. 1886 erwarb Eduard Reinhold das Grundstück der bereits 1829 gegründeten Firma C.F. Schmieder. C. F. Schmieder errichtete 1853 das Geschäftshaus Ecke Augasse. In seinem Unternehmen waren als erster Meeraner Großbetrieb 250 mechanische Webstühle aufgestellt. 1871 bezog man das Fabrikgelände in der Schmiederstraße. Nach mehrmals wechselnden Besitzern übernahm es 1886 Eduard Reinhold mit der Fabrikation von Kleiderstoffen. Eduard Reinhold führte, an das Geschäftshaus anknüpfend, um 1900 die Bebauung Augasse mit einem weiteren Fabrikationsgebäude in gelblicher Klinkerfassade durch.

Das 1853 errichtete Geschäftshaus war im Eckbereich von August-Bebel-Straße/Augasse risalitartig (Risalit; ital. risalto = Vorsprung) durch zwei Balkone mit zierlichen schmiedeeisernen Gittern gestalterisch betont.
Durch die langjährige Nichtnutzung ab 1991 und dem damit verknüpften Verfall kam es im Jahre 2005 zum Abbruch der bereits vorgeschädigten maroden und teilweise eingestürzten Bausubstanz. Einer der beiden Eckbalkone aus der Bauphase 1853 wurde gesichert und durch den Meeraner Schmiedemeister Wolfram Trinks aufbereitet. Er ziert jetzt den französischen Balkon.

Im Rahmen der Einweihung pflanzt Nick Albustin, ein Meeraner Schüler, der in der Marienstraße 25 wohnt, einen Baum (Pfennig-Buche), den er als Pate übernimmt. Nick Albustin hatte in einem Gespräch mit dem Bürgermeister (Bürgermeister-Sprechstunde) den Wunsch geäußert, in seinem Nachbargarten einen Baum zu entwickeln.

Zu den Kosten: Alle Maßnahmen wurden über das Programm „Städtebauliche Erneuerung“ – SEP finanziert. Die Gesamtkosten betragen 230 T €. Darin sind enthalten: Grunderwerb, Abbruch, Verfüllung unterirdischer Hohlräume, Rückwandsanierung und Gestaltung Fronfeste, Wege und Parkplätze, Grünanlage, Bänke. Der Eigenmittelanteil der Stadt Meerane beträgt 76 T€; 154 T € sind Fördermittel durch den Bund und das Land.

Allen Partnern, die zu diesem gelungenen Garten beigetragen haben, danke ich herzlichst. Das sind:
•  Fa. GAR - Abbrucharbeiten
•  Fa. Petrik - Gartenarbeiten
•  Fa. Geringswald – Pflasterarbeiten Wege und Parkplätze
•  Fa. Romanus - Fensterarbeiten
•  Fa. Büttner, Inhaber Müller - Bauarbeiten
•  Fa. Trinks - Balkon
•  Fa. Meeraner Dampfkesselbau – Rankgitter (Spende)

Für den Projektablauf zeichnen verantwortlich:
•  Sanierungsträger STEG – Herr Brendel
•  Fachbereich Bauen der Stadtverwaltung
•  Frau Jantsch, Frau Könnemann, Frau Götze
•  Fachbereich Finanzen der Stadtverwaltung
•  Frau Eis, Frau Lau

Ich wünsche dem Garten am Alten Rathaus keine Zerstörungen. Er möge Bürger und Besucher unserer Stadt stets erfreuen.


Das Gitter des französischen Balkons in einer Ansicht aus den 1970er Jahren (links). Vor dem Abbruch des Gebäudes 2004/2005 wurde das Balkongitter gesichert.

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