| Gedenkfeier zum Volkstrauertag 2010 |
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Ansprache von Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer Krieg. Wir Deutsche denken bei dem grausen Wort an den großen europäischen Bürgerkrieg 1914-1918 und an den Zweiten Weltkrieg 1939-1945. Unterdessen gab es kleine und mittlere Kriege in der Welt (Korea, Vietnam, Angola, Golfkrieg Iran/Irak, Nahostkonflikt). Den Europäern blieben solche Katastrophen erspart. Deutsche Soldaten sind seit 2001 mit den Verbündeten der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) in Afghanistan im Krieg gegen diesen Krieg. GG, Artikel 1: Die Menschenwürde ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Die Bundeswehr im Einsatz ist heute eine vom Parlament in den Einsatz geschickte Armee. Die Soldatinnen und Soldaten verrichten ihren Dienst im Auftrag des Volkes. Wir gedenken heute der Soldaten, die in diesem Einsatz starben. Meine sehr verehrten Damen und Herren, der Volkstrauertag fällt in diesem Jahr auf den 14. November. Vor 70 Jahren, am 14. November 1940, flog die deutsche Luftwaffe einen schweren Bombenangriff mit 515 Flugzeugen auf die englische Stadt Coventry („Operation Mondscheinsonate“). Im November 1940 feierte die NS-Propaganda diese neue Art des Angriffs als „coventrieren“. Wir wissen, wie furchtbar diese Form des Krieges gegen die Städte und die Zivilbevölkerung dann später deutsche Städte heimsuchte. Erzählungen zu Luftangriffen gab es auch in meiner Familie. Diejenigen unter uns, die solche Luftangriffe nicht persönlich miterleben mussten, sind dankbar dafür, dass ihnen ein solches – körperliche und seelische Verstümmelungen hinterlassendes – Erlebnis, wie es Millionen unschuldiger Bürgerinnen und Bürger von Guernica bis Rotterdam, von Coventry bis Dresden, Berlin, Hamburg, Stuttgart, Warschau und bis Stalingrad durchmachen mussten, erspart geblieben ist. Es ist für uns kaum vorstellbar, was die damals betroffenen Menschen erlitten haben, als im Verlauf des Kampfes die Kriegsmaschinerie zur Vollendung gelangte und Tod und Zerstörung, Entsetzen und Hass hervorrief, die nach Vergeltung und Rache verlangten. Der Krieg hat grenzenloses unmenschliches Leid und Vernichtung für die Menschen gebracht; was für andere durch die Nationalsozialisten bestimmt war, traf dann Deutschland letztlich selbst. 70 Jahre danach wissen wir, wie Rache der Versöhnung, Vergeltung dem Wiederaufbau und Misstrauen der Zusammenarbeit weicht. Für Versöhnung, Wiederaufbau und Zusammenarbeit steht die Frauenkirche in Dresden, mit ihrer Partnerstadt Coventry. Für Versöhnung, Wiederaufbau und Zusammenarbeit steht Europa nach 1945 und nach 1990. Die nationalen und ideologischen Schranken sind weg. Die Staaten sind heute reif genug, ihre Souveränität in Freiheit mit anderen zu teilen und diesen Prozess in rechtlich verbindliche Übereinkünfte einzubringen. Das vereinte Deutschland ist ein Stabilitätsfaktor inmitten der europäischen Friedensordnung. Bleiben wir im Kriegsjahr 1940, in dem sich der Zweite Weltkrieg ausweitete: Dänemark, Norwegen, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg und England, wobei die Luftoffensive gegen England scheiterte. Die deutschen Invasionspläne wurden im Herbst 1940 aufgegeben. Dafür begannen die Pläne des deutschen Angriffes gegen die Sowjetunion, der im Juni 1941 erfolgte. |
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| Ehrenmal 2. Weltkrieg auf dem Meeraner Friedhof. | |
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| Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und Mitglieder vom Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V., Reservistenkameradschaft Pleißental (Foto), legten Kränze am Gedenkstein nieder. | |
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| Der Posaunenchor der Kirchgemeinde St. Martin umrahmte die Feierstunde. | |
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| Zahlreiche Gäste begrüßte Bürgermeister Professor Dr. Ungerer, darunter der sächsische Justizminister Dr. Jürgen Martens und Meeraner Stadträte. | |
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| Pfarrer Clemens Baumert von der Katholischen Kirche St. Marien Meerane. | |
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| Das Ehrenmal 1. Weltkrieg auf dem Meeraner Friedhof wurde neu gestaltet. | |
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| Die Namen der Gefallenen in der Trauerhalle 1. Weltkrieg wurden wieder lesbar gemacht, die Tafeln gesäubert. | |
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| Justizminister Dr. Jürgen Martens im Gespräch mit Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und Christian Ligotzky, Mirko Herbst und Tino Werler von der Reservistenkameradschaft Pleißental. | |
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Wir trauern heute um die Männer, Frauen und Kinder, die ihre Lebensträume und ihr Lebensglück durch Krieg und Gewaltherrschaft verloren. Erinnert sei an die Meeraner Bürgerin Frida Blumenthal und die Meeraner Familien Born und Wertheim. Literarisch möchte ich in diesem Jahr das Lied vom „guten Kameraden“ aufgreifen. Der Text stammt von dem schwäbischen Romantiker Ludwig Uhland (1787-1862). Ich hatt einen Kameraden, Will mir die Hand noch reichen,
Die Nationalsozialisten pervertierten dieses Pflichtgefühl. Die Schlagwörter „Du bist nichts, dein Volk ist alles.“ und „Führer befiehl, wir folgen.“ dokumentieren die Nichtachtung der eigenen Person und deren restloses Aufgehen in einem höheren Wesen, zu dem das deutsche Volk erklärt wurde. Damit erwies sich die Ideologie der deutschen Nazis als die totale Abkehr von den Prinzipien der Aufklärung, zu denen die Postulierung der Lebensrechte aller Menschen und die Selbstbestimmung gehört. Die totale Unterwerfung unter den Willen eines Mannes und das Bekenntnis zu absoluter Gefolgschaftstreue ist Teil der Menschenverachtung Adolf Hitlers, die bis zum Ende anhielt: Am 19. März 1945 ordnete er die Zerstörung Deutschlands an („Verbrannte-Erde-Befehl“). Gegenüber Albert Speer rechtfertigte er diesen Befehl: „Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen – denn das Volk hat sich als das schwächere erwiesen.“ Wir gedenken heute der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft und als Flüchtlinge ihr Leben verloren. 1945 trauerten Frauen und Kinder unserer Stadt um ihre verlorenen Männer, Väter und Söhne. Wir gedenken heute der Meeraner Männer und Frauen des politischen und geistigen Widerstands, darunter Erich Knauf, der 1944 hingerichtet wurde. In unserer Stadt starben eine unbekannte Anzahl inhaftierter Kriegsgefangener. Diejenigen, die mit dem Kriegsende die Gewaltherrschaft überlebten, kehrten von Meerane aus in ihre Heimatländer nach Frankreich und Italien, nach Serbien und in die Sowjetunion zurück. Der nationale Wahnsinn führte zu Vertreibung; insgesamt wurden 14 Millionen Menschen aus Deutschland zu Flüchtlingen, auf der Suche nach einer neuen Heimat, die auch in Meerane gefunden wurde. Wir gedenken heute auch der Meeraner Männer, die ihre Gefangenschaft nicht überlebten und vor allem in den unmenschlichen Lagern der Sowjetunion den Tod fanden. Der Volkstrauertag ist ein Tag der Erinnerung und der Besinnung: der Erinnerung an Krieg und Gewalt und des Gedenkens an die Toten. |
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| Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges in Seiferitz. | |
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| Ehrenmal 1. Weltkrieg auf dem Friedhof Waldsachsen / Grab der gefallenen Soldaten auf dem Friedhof Waldsachsen. | |