Aktuelles (28.03.2011)
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Schreiben des Bürgermeisters Professor Dr. Lothar Ungerer zur Unterschriftenaktion zum Erhalt des Bahnhofsportals Sehr geehrte Frau / Sehr geehrter Herr wir haben Ihre Adresse der Unterschriftenliste für den „Erhalt von Teilen des zum Abriss vorgesehenen Meeraner Bahnhofes“ entnommen. Es sei mir gestattet, Ihnen mit diesem Brief zu antworten. Lassen Sie mich bitte zunächst festhalten, dass der durch die Stadt Meerane eingeschlagene Weg mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen Chemnitz (VMS), dem Sächsischen Verkehrsministerium, der Landesdirektion Chemnitz und der Bahn AG abgestimmt ist und die einzige Zukunftslösung darstellt. Die Stadt Meerane erhält (nur) für das beschlossene Vorhaben der Verknüpfungsstelle Schiene/Bus eine Förderung. Es gab und gibt keine Fördermöglichkeiten für das Empfangsgebäude! Die Bahn hat bereits im Jahre 2002 das Empfangsgebäude als künftig entbehrlich gestellt und aufgegeben. Es sei nochmals betont, dass die Stadt Meerane für die furchtbare Entwicklung des Gebäudes nicht verantwortlich gemacht werden kann. Wir sind mit unserem Vorhaben der Verknüpfungsstelle zu einem Zeitpunkt in das Verfahren hineingekommen, als das Gebäude bereits aufgegeben und marode war. Für die neue Verknüpfungsstelle ist ein kleines und modernes Informationszentrum mit WC-Anlage für Reisende geplant (40qm). Dies ist aus Reisesicht vollkommen ausreichend. Angemerkt sei, dass wir (Stadtrat, Ausschüsse, Bürgermeister, Verwaltung) einen offenen Dialog zu diesem Vorhaben mit der Öffentlichkeit stets gesucht und praktiziert haben. So wurde immer wieder in den Jahren seit 2001 informiert. Der Bürgermeister erfüllte seine Informationspflicht, die Einwohner wurden von der Gemeinde informiert und es wurden Beratungsgelegenheiten angeboten: Die Vorhaben waren in den Jahren z. B. Gegenstand von Informationen im Gemeinderat, in Einwohnerversammlungen (zuletzt 2010) und bei den Bürgerbeteiligungen zum Stadtentwicklungskonzept und seinen Fortschreibungen. Hinzu kamen Informationen vor Ort, wie z.B. die Besichtigungsmöglichkeit von Teilen des maroden Bahnhofsgebäudes für die Einwohner am 16.04.2008. Sie sprechen in Ihrer Unterschriftenliste das städtebauliche Erbe an. Im Gegensatz zu vielen Objekten in unserer Stadt, steht das Bahnhofsgebäude nicht unter Denkmalschutz. Warum? Es sei Ihnen versichert, dass sich alle Beteiligten die Entscheidung nicht einfach machten. Wir haben nach einem zehnjährigen Verfahren mit großer Unterstützung der Landesdirektion Chemnitz, des VMS und der Bahn unser Ziel erreicht, die Weichen für eine Verknüpfungsstelle Schiene – Bus in Meerane zu stellen. In diesem Konzept spielt das Empfangsgebäude wegen seiner Größe, der nicht mehr gegebenen Nutzung und dem gewaltigen baulichen Verfall keine Rolle mehr. Der Stadtrat hat richtigerweise die erforderlichen Beschlüsse gefasst. Hinter diesen Erfolg kann ich leider nicht mehr zurückgehen. Dies wäre für die Stadtentwicklung unverantwortlich. Dafür bitte ich um Verständnis. Mir ist bewusst, dass die Entfernung von Gebäudesubstanz das Gesicht unserer liebenswerten Stadt verändert und auch weiterhin verändern wird. Städteplaner sprechen von einer „temporären Nutzung städtischer Räume“, was richtig ist. Der Wandel verändert auch Städte. Neue Nutzungen lösen alte und überholte Nutzungen ab. Wir erfahren dies im Bereich der Industrieanlagen, der Wohngebäude und der Infrastruktureinrichtungen. Auch wenn es schmerzlich ist, haben bestimmte Gebäude keine Zukunft. Andererseits unternehmen private Investoren und die Stadt sehr viel, Gebäude zu erhalten und fortzuentwickeln. Viele Beispiele kennen Sie. Aktuelle städtische Projekte sind die Fortentwicklung der Postgebäude oder des Wohn- und Geschäftsgebäudes in der Moritz-Ostwalt-Straße 1-3. Eine Fortentwicklung setzt jedoch immer eine Geldquelle und eine Nutzung voraus. Hinzu kommt, dass bei der Knappheit der finanziellen Mittel eine Sanierung auch bezahlbar sein muss. Alle diese Faktoren treffen im negativen Sinne auf das Empfangsgebäude zu. Das Gebäude ist bereits vor Jahren bzw. Jahrzehnten in den Brunnen gefallen. Deshalb bitte ich nochmals um Verständnis, dass meine Antwort nicht Ihrem Grundanliegen entspricht. Meine größte Verantwortung liegt immer wieder darin, die gesamte Leistungsfähigkeit der Stadt Meerane mit ihren zahlreichen Aufgaben zu sichern. Dazu bedarf es tragfähiger Ziele, die umgesetzt werden können. Hintergrund ist hierbei unsere Einwohnerentwicklung, die stetig schrumpft. Folgende Zahlen zeigen diese Entwicklung: 1945 28.830 Einwohner Entsprechend dieser Entwicklung verändert sich unsere Stadt und wird sich weiter verändern. Auch deshalb können manche Ideen nicht umgesetzt werden. Mit Ihrer Unterschrift haben Sie sich für den Erhalt zweier konkreter Gebäudeteile ausgesprochen. Für die Überdachung des Bahnsteiges Gleis 1 mit der gusseisernen Tragkonstruktion ist die Deutsche Bahn verantwortlich. Sie wird im Zuge des Rückbaus der Gleisanlagen entfernt. Darauf haben wir keinen Einfluss. Ein Erhalt des 1940/41 errichteten Anbaus im Eingangsbereich ist konzeptionell, baulich und finanziell nicht zu vertreten bzw. möglich und nicht zu verantworten. Baulich greife ich nur drei Problemlagen heraus: Da der Anbau statisch mit dem Hauptgebäude verknüpft ist, müsste er in Alleinlage stabilisiert werden. Sein Aufbau würde eine neue Dachkonstruktion erfordern. Die Trennung vom Hauptgebäude müsste in Handabbruch erfolgen. Finanziell: Nach einer ersten Kostenschätzung eines Bausachverständigen hätten wir mit Brutto-Gesamtkosten von mindestens 250.000 EUR für einen Erhalt des Anbaus zu rechnen, die die Stadt Meerane alleine zu tragen hätte. Konzeptionell wäre eine komplette Änderung der beschlossenen, geprüften und genehmigten Planung, die sich bereits in der Umsetzung befindet, erforderlich. Würden wir den Anbau stehen lassen, stünde er nach dieser Planung mitten in der neuen Straße. Folglich wäre eine Planänderung erforderlich. Damit würde die bewilligte Förderung entfallen. Wir müssten das Vorhaben stoppen, die Fördermittel zurückgeben und es bliebe der aktuelle Zustand – ohne Perspektive – erhalten. Hier bitte ich nochmals um Verständnis, dass ich diese Entwicklung nicht unterstützen kann. Meine Hauptaufgabe ist und bleibt, verantwortungsvoll für die Stadt Meerane zu arbeiten. Nachteile dürfen und können nicht entstehen. In diesem Sinne hat auch der Stadtrat nach neunjähriger Vorlaufzeit am 31.03.2009 einstimmig das Vorhaben richtig beschlossen. Er wurde seiner Verantwortung für unsere Stadt gerecht. Dafür trete ich auch weiter ein. Wir haben in diesen Jahren viel bewegt und zuverlässige Partner wie die Deutsche Bahn, den Freistaat Sachsen und den VMS für unser Projekt gewinnen können. Vertrauen und Verlässlichkeit ist in der Kommunalpolitik ein wichtiges Gut. Dafür steht auch die Stadt Meerane. Genauso wichtig ist mir die Eintracht der Bürgerschaft. Insofern werbe ich bei Ihnen um Verständnis für unsere vernünftige Entscheidung, wohlwissend, dass sie Ihrem Wunsch nicht entspricht. Für Rücksprachen oder weitere Erläuterungen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen |