1858er Eisenbahnfußgängertunnel ans Tageslicht gebracht

Eine gewaltige Baugrube bestimmt derzeit das Geschehen der Modernisierung der Bahnanlagen in Meerane. Komplett freigelegt wurde der Fußgängertunnel an der Tännichtschule. Ziel ist eine äußere Sanierung, d. h. Abdichtung des Bauwerkes. Die Baugrube hat eine Tiefe von ca. 12 Meter. Das Vorhaben ist auch sichtbar durch den riesigen Erdaushub, aufgetürmt zu zwei Bergen mit
ca. 10.000
m³ Erde. Der Eisenbahntunnel symbolisiert ein Stück Meeraner Stadtgeschichte, die Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer bereits bei der Übergabe des neuen AxA-Geländes am 01.11.2010 in Erinnerung brachte. Mit Verweis auf die Leopoldsche Stadtchronik aus dem Jahre 1863 erinnerte der Bürgermeister daran, dass es in älteren Zeiten nur eine schmale hölzerne Brücke über den Seiferitzer Bach gab, die von der Stadt nach Schwanefeld führte (gelegen an der heutigen Leipziger Straße). An Stelle der alten Holzbrücke wurde 1842 eine neue steinerne Brücke gebaut. Die von Dr. Leopold beschriebene (Mühlen)Brücke ist die älteste und war lange Zeit auch die einzige befahrbare Meeraner Brücke. Der frühere Brückenname kam von einer alten Mühle, die nahe der Brücke stand. Von der Brücke zweigte ein beliebter Fußweg quer durch das heutige Rosarium in den Tännichtgrund und damit in Richtung heutigem Stadtpark ab. Beim Bau der Eisenbahnstrecke wurde dieser Fußweg respektiert, so dass 1858 der derzeit sichtbare Eisenbahntunnel über den Tännichtgrund gebaut wurde. An dem vorhandenen Weg wurde dann 1933 das Rosarium errichtet. 153 Jahre später ist nun der historische Eisenbahntunnel für wenige Tage wieder im Tageslicht, bevor das dann abgedichtete Bauwerk erneut für weitere Jahrhunderte unter Erde verschwindet.
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