Aktuelles (30.05.2011)

 

Student spürt Meeraner Geschichten nach

Seit drei Wochen sieht man ihn – bei passendem Wetter - immer dienstags und donnerstags von 10 bis 13 Uhr auf dem Meeraner Markt. Martin Hesse, Jahrgang 1987, sitzt an einem kleinen Tisch vor einer Schreibmaschine – ja, richtig gelesen, einer Schreibmaschine – drei Stühle laden Besucher zum Hinsetzen ein. Am Tisch sind zwei kleine Plakate befestigt: „Neues Ostdeutschland“ steht darauf und „Zeitgenössische Auseinandersetzung mit den Meeranern“.

Sein Projekt – ein Schreibprojekt - erklärt der junge Mann, der in Meerane aufgewachsen ist, hier das Abitur am Pestalozzi-Gymnasium abgelegt hat und im März 2011 seinen Bachelor-Abschluss in Sozialwissenschaft/Romanistik in Erfurt gemacht hat, so: „Ich möchte die Veränderungen der Stadt Meerane seit der Wende literarisch im Dialog mit den Meeranern auswerten, Fragen und Probleme mit meinen eigenen Worten kommentieren. Ich möchte Meinungen und Vergleiche einholen, was sich verändert hat, welche Werte früher zählten und welche heute von Bedeutung sind, aber zum Beispiel auch, vor welchen Aufgaben junge Menschen in einer kleinen Stadt wie Meerane stehen.“
Deswegen sitzt er in einer Art „DDR-Montur“ vor dem kleinen Tisch, daher auch die Erika-Schreibmaschine.

Die Idee kam ihm vor rund einem Jahr bei einem Festival in Würzburg, erzählt er. „Dort saß ein junger Mann mit einer Schreibmaschine und einem Zettel: Bringen Sie Ihr Problem zu mir. Problemlösung 1 Euro. Zuerst wollte ich dies in Erfurt ausprobieren, aber dann habe ich überlegt, es abzuwandeln und dafür in meine Heimatstadt Meerane zu gehen. Ich möchte sehen, wie so etwas läuft in Meerane.“ Vorab hat sich Martin Hesse daher auch mit Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer zu einem Gespräch getroffen und sein Projekt vorgestellt. Er hat sich beim Workshop-Vormittag zum INSEK2020 am 16. April in verschiedene Arbeitsgruppen gesetzt und zugehört, hat mit dem Meeraner Streetworker gesprochen und sich im Meeraner Arbeitslosenzentrum in der Amtsstraße und im Seniora-Bürgerheim umgesehen.

Die Frage, die der junge Mann wohl zu Beginn am häufigsten gestellt bekam war: „Was wird daraus?“ Martin Hesse sagt: „Vielleicht ein Buch, vielleicht verwende ich die Aufzeichnungen für mein Studium.“ Denn das soll weitergehen im Herbst mit einem Master-Studium, vermutlich in einer sozialen Fachrichtung.
Falls es aber doch ein Buch wird, dann möchte er es so schreiben, als gäbe es das vieldiskutierte Grundeinkommen, von dem er – im Buch zumindest – lebt und leben kann, so dass Zeit für Kreativität bleibt, für das Schreiben, für Gespräche mit Menschen, für ein Projekt wie das, was er gerade in Meerane umsetzt, erklärt er.
Sein eigentliches Anliegen aber war und ist, dass die Meeraner ihm Fragen stellen, ihm schriftlich ihre Fragen mitteilen, die er dann schriftlich beantwortet – daher ja auch die Schreibmaschine. Aber in den ersten Wochen setzten sich die Meeraner lieber zu ihm und unterhielten sich mit ihm, teilten ihm ihre Gedanken mit, zu den Veränderungen in Meerane.

Bis Mitte Juli 2011 wird Martin Hesse das Projekt fortsetzen. Bis dahin kann man ihn jeden Dienstag und Donnerstag von 10 bis 13 Uhr auf dem Markt sitzen und vielleicht auch schreiben sehen.


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