Aktuelles (27.06.2011)

 

Historische Grabstätte des Werdauer Ehrenbürgers Dr. med. Brauer saniert

Feierstunde auf dem Meeraner Friedhof

Dr. med. Emil Brauer wurde am 30. April 1832 in Meerane geboren. Nach dem Gymnasiumsbesuch in Zwickau studierte er Medizin an der Universität in Leipzig. Später wirkte er als Hofrath und Königlicher Hof- und Stabsarzt in Dresden. 1888 verstorben, wurde er auf dem Meeraner Friedhof beigesetzt, in der Familiengrabanlage der Familien Hertzsch, Bornemann und Heine.
In dieser historischen Grabanlage hat der Meeraner Heimatforscher Frank Hartmann vor einigen Monaten die Grabplatte von Dr. med. Emil Brauer, der auch ein Ehrenbürger der Stadt Werdau ist, entdeckt und zu dessen Biografie geforscht.
Als in der Stadt Werdau im Oktober 1865 die Cholera ausbrach, kam Dr. Brauer auf Veranlassung der Regierung und des Stadtrates gemeinsam mit zwei weiteren Ärzten in die Stadt, um sofort Maßnahmen zur Bekämpfung der plötzlich ausgebrochenen Seuche zu unternehmen. So berichtet es die Werdauer Chronik.
Für ihre „Tatkraft und uneigennützige Opferwilligkeit“ wurden die Ärzte mit dem Ritterkreuz des Albrechtsordens ausgezeichnet. Der Stadtrat und die Stadtverordneten der Stadt Werdau verliehen im Dezember 1865 die Ehrenbürgerwürde an Dr. med. Brauer und seine beiden Kollegen.

Frank Hartmann nahm Kontakt zur Stadt Werdau auf, ebenso zur Stadtverwaltung Meerane. „Die Stadt Werdau, die sich über das Auffinden des Grabes ihres Ehrenbürgers sehr gefreut hat, bezahlte die Kosten, um die Platte der Meeraner Begräbnisstätte wieder einzufügen. Eine Leubnitzer Steinmetzfirma hat die historisch wertvolle Grabplatte restauriert“, berichtete Frank Hartmann.
Gleichzeitig begann die Stadt Meerane mit Maßnahmen zur Wiederherstellung des repräsentativ gestalteten historischen Familiengrabes an der Außenwand des Meeraner Friedhofes. Die Mauer und die Einfassung der Grabanlage wurden saniert, die übrigen Grabplatten wieder ordnungsgemäß aufgestellt, Bäume, die inzwischen auf der Anlage gewachsen waren, wurden entfernt und eine Wegführung angelegt. Eingebunden war hier der Steinmetzbetrieb Brumme aus Meerane. Im Frühjahr 2011 wurde dann die Bepflanzung der Anlage durchgeführt.

Nach dem Abschluss der Arbeiten fand am 21. Juni 2011 eine kleine Feierstunde zur Würdigung von Dr. med. Brauer auf dem Meeraner Friedhof statt, zu der auch Dr. Hans-Jürgen Beier, Leiter des Stadt- und Dampfmaschinenmuseums Werdau in Vertretung des Werdauer Oberbürgermeisters Ralf Tittmann begrüßt wurde.
Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer erinnerte in seiner Ansprache an die Verdienste von Dr. med. Brauer. Dieser hat sein Leben voller Hingabe seinem Beruf gewidmet und der Aufgabe, dem leidenden Menschen zu helfen, so der Bürgermeister. Als Militärarzt war Dr. med. Brauer im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 tätig und in den Kriegen 1866 und 1870/71. Zahlreiche Orden und Auszeichnungen hat Dr. Bauer für sein Wirken erhalten, darunter das Eiserne Kreuz, die Lebensrettungsmedaille, den Albrechtsorden und weitere Verdienstorden.

„Wir danken der Stadt Werdau für ihr Engagement zum Erhalt der Grabplatte von Dr. med. Brauer. Die Stadt Meerane ist sehr bemüht, die historischen Grabstätten auf dem Meeraner Friedfhof fortzuentwickeln“, sagte Professor Dr. Ungerer und fügte einen großen Dank an den Meeraner Steinmetzbetrieb Brumme an. Dieser hatte 2500 Euro, den Erlös aus dem Firmenjubiläum, zum Erhalt historischer Grabanlagen gespendet. Zur Feierstunde wurde auch Steinmetzmeister Daniel Brumme begrüßt.
Weiterhin dankte der Bürgermeister Frank Hartmann für sein Bemühen um die Ortsgeschichte, und Umweltreferentin Erdmute Stäuber, die die Sanierungsarbeiten koordinierte.
Dr. Beier verwies in seiner Rede auf die Bedeutung der Friedhöfe für die Gesellschaft. „Friedhöfe sind nicht nur eine Stätte der Trauer, sondern auch Erinnerungskultur. Alte Friedhöfe sind ein historisches Bilderbuch, sie erzählen Lebensgeschichten. Hinter jedem Namen stehen Geschichten“, sagte er. Auch er dankte Frank Hartmann für seine Initiative. „Dieser Termin heute zeigt die historisch gewachsene, enge Verflechtung unserer beiden Städte. Gleichzeitig ist das gemeinsame Bemühen auch ein kleiner Mosaikstein für die Kooperation von Meerane und Werdau im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Terra Plisnensis“, so Dr. Beier.
Auch Pfarrer Dr. Martin Teubner verwies auf die Bedeutung der historischen Grabanlagen. „Sie sind das Gedächtnis einer Stadt“, sagte er.

Als in Werdau 1865 die Cholera wütete, kam Meerane übrigens mit 60 Todesfällen noch glimpflich davon. In Werdau jedoch starben innerhalb von sieben Wochen 462 Menschen, rund 1500 erkrankten. Ausgangspunkt war ein großes Turn- und Feuerwehrfest am 8. und 9. Oktober 1865. Am nächsten Tag brach in Werdau die Cholera aus, wahrscheinlich aus Altenburg eingeschleppt, informierte Frank Hartmann. Die alte Bürgerschule wurde daraufhin geschlossen und als Lazarett eingerichtet, ebenfalls die gerade erst fertig gestellte Turnhalle in der Turnhallenstraße. Das erst drei Jahre zuvor eingeweihte Krankenhaus am Johannisplatz verfügte lediglich über 45 Betten. Trotzdem mussten hier 192 Kranke untergebracht werden, von denen 62 verstarben. Die Seuche griff schließlich auch nach Langenbernsdorf, Zwickau, Glauchau und weitere Städte über.
Mit Hilfe der drei Dresdner Ärzte, darunter Hofarzt Dr. med. Emil Brauer, wurde die Seuche in Werdau bis Ende des Jahres 1865 erfolgreich bekämpft. Dr. Brauer stiftete bei seiner Abreise noch 50 Taler für das Waisenhaus, berichtete Frank Hartmann.

   
Heimatforscher Frank Hartmann. Gedenkfeier an der Historischen Grabstätte.

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