Einblicke und Hintergründe zur Europäischen Union
Lesung und Gespräch mit Professor Dr. Lothar Ungerer in der Stadtbibliothek
Zur Frankfurter Buchmesse Mitte Oktober 2011 erschien das „Handlexikon der Europäischen Union“, 4., aktualisierte Auflage, der Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden. In diesem Handlexikon werden rund 1.000 europarechtlich wie europapolitisch relevante Begriffe erläutert; das System des Europarechts wie der Europapolitik werden erklärt, ebenso die strukturellen Neuerungen durch den Vertrag von Lissabon.
An der Aktualisierung des Handlexikons waren über 70 Autoren aus Wissenschaft, Justiz, europäischen Institutionen und Rechtsanwaltschaft beteiligt. Einer der Autoren ist der Meeraner Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer, der am 12. Oktober 2011 zu einer Lesung mit Gespräch zu aktuellen wirtschafts- und währungspolitischen Entwicklungen der Europäischen Union in die Stadtbibliothek eingeladen hatte.
Eine „furchtbar trockene Lektüre“ sei das Lexikon eigentlich, erklärte Professor Dr. Ungerer vornweg, aber was dann folgte, waren zwei durchweg spannende Stunden, in denen er dem interessierten Publikum die Europäische Union, ihre Idee, ihre Geschichte, ihre Finanzierung und die aktuellen Entwicklungen näherbrachte.
Professor Dr. Ungerer hat 20 Stichworte in dem 1100 Seiten umfassenden Gesamtlexikon bearbeitet, die eine sehr große Bandbreite präsentieren, darunter „Außenbeziehungen der EU“, „Eurokratie“, „Gesetzgebungsverfahren“, „Haushaltsverfahren“, „Kommunalpolitik“, „Haushalt der EU“, „Konvergenz“, „Unionsrecht“, „Währungspolitik“, „Währungsunion“ und „Wirtschaftspolitik“, aber eben auch „Lebensmittelrecht“ oder „Politik des leeren Stuhls“.
Am Anfang der Europäischen Union stand das Friedensmotiv, erinnerte Professor Dr. Ungerer: „Die Europäische Union ist nach 1945 aus dem Willen heraus entstanden, dass die europäischen Völker künftig anders miteinander umgehen mögen – ‚Wer verhandelt, schießt nicht‘.“
„Heute wird bei Problemen einzelner Staaten, auch Deutschland, gern schnell auf ‚die in Brüssel‘ - auf die Europäische Union – verwiesen“, sagte er. „In der Tat gibt es inzwischen fast keinen Politikbereich mehr, der keine europäische Dimension hat, dabei muss man jedoch unterscheiden zwischen den Bereichen, in denen die Union die Kompetenz hat sowie den geteilten Zuständigkeiten, den koordinierenden oder ergänzenden Zuständigkeiten, um nur einige Beispiele zu nennen“, sagte er. Dabei greifen auch verschiedene Entscheidungsverfahren.
Derzeit ist Europa in aller Munde, geschuldet der Schuldenkrise einzelner Euro-Länder. In den Medien werden dazu die unterschiedlichsten Szenarien diskutiert. Professor Dr. Ungerer informierte umfassend zu dieser Thematik, erläuterte das Problem der Verschuldung einzelner Länder, die Rolle der Banken und insbesondere auch der Ratingagenturen und ging auf die inzwischen ebenfalls vieldiskutierten Währungsspekulationen und verschiedenen Finanzinstrumente der Börsen ein. „Wir haben keine Krise des Euro, sondern eine Krise einzelner Länder und deren Staatsverschuldung“, betonte er.
Nach dem Vortrag beantwortete Professor Dr. Ungerer weitere zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Einer der Besucher sagte am Ende, er staune sehr, welches umfassende Wissen der Bürgermeister im Bereich der Finanzwirtschaft habe. Mit Beifall bedankten sich die Gäste für den interessanten Abend.
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