Geleitwort zum 27. Januar 2012, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, von Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer Mord mit System Seit 1996 begehen wir in Deutschland den 27. Januar und damit die Befreiung von Auschwitz als nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Nach einem Aufruf der Vereinten Nationen folgt die Staatengemeinschaft seit dem Jahr 2005 diesem Beispiel weltweit. Wir richten an diesem Tag unseren Blick zurück auf die Menschen, die während der Jahre der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihr Leben verloren und gedenken ihrem Schicksal. Der Gedenktag in diesem Jahr steht in besonderer Verbindung mit dem 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz. Wannsee-Konferenz Am 20. Januar 1942 verhandelten 15 Spitzenbeamte verschiedener Reichsministerien und der SS in der Villa am Wannsee in Berlin über die organisatorische Durchführung der Entscheidung, die Juden Europas in den Osten Europas zu deportieren und zu ermorden. Der Konferenz saß SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, vor. Ausgestattet mit einem von Reichsmarschall Hermann Göring unterzeichneten Ermächtigungsschreiben vom 31. Juli 1941 zur Durchführung der „Endlösung der Judenfrage“ plante Heydrich die Ermordung von elf Millionen europäischen Juden, da Göring einen „Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage“ einforderte. Thema der Konferenz vor 70 Jahren waren laut Einladungsschreiben demnach die „mit der Endlösung der Judenfrage zusammenhängenden Fragen“. Fünf Wochen vor der Wannseekonferenz, am 12. Dezember 1941, versammelte Adolf Hitler die Reichs- und Gauleiter der NSDAP in der Reichskanzlei. Joseph Goebbels notierte dazu in seinem Tagebuch: „Bezüglich der Judenfrage ist der Führer entschlossen, reinen Tisch zu machen. (…) Der Weltkrieg ist da, die Vernichtung des Judentums muss die notwendige Folge sein.“ Damit vollzog Adolf Hitler den entscheidenden Schritt zum Völkermord. Die Wannsee-Konferenz fällte also nicht den Beschluss, sondern beriet über die Organisation des Massen- bzw. Völkermords. Es ging vor allem um die Koordination der verschiedenen beteiligten Behörden und die organisatorische Umsetzung des Vernichtungsprogramms. Adolf Eichmann verfasste das Konferenz-Protokoll. Er berichtete 1961 in Jerusalem während des Eichmann-Prozesses, dass auf der Konferenz sehr offen über das Mordprogramm gesprochen wurde. Zentral ist der Abschnitt III des Protokolls, in dem es heißt: „Anstelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit (…) die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten. (…) Im Zuge dieser Endlösung der europäischen Judenfrage kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht“. Es folgt eine Länderliste, die vom „Altreich“ mit 131.800 Juden bis zur UdSSR mit fünf Millionen Juden reicht. Bei einem Land, Estland, war vermerkt, dass es bereits „judenfrei“ sei. Auschwitz Die Ergebnisse der Konferenz wurden unmittelbar umgesetzt. Die seit Oktober 1941 laufenden Deportationen wurden verstärkt fortgesetzt. Im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurden die Gaskammern errichtet. Ab März 1942 trafen die ersten großen Transporte mit Juden ein. Allein in Auschwitz ermordete die SS über eine Million Menschen. Am frühen Nachmittag des 27. Januars 1945 wurden das Stammlager Auschwitz sowie der Lagerkomplex Auschwitz-Birkenau befreit. In Birkenau erlebten 5.800 Häftlinge, darunter fast 4.000 Frauen, diesen Tag. In den Tagen davor wurden etwa 60.000 Häftlinge von der SS in Todesmärschen nach Westen getrieben. Im Lager Birkenau wurden bis 1945 900.000 deportierte Menschen kurz nach ihrer Ankunft ermordet. Im gesamten Lagerkomplex sind zudem über 200.000 Häftlinge aufgrund der Arbeitsbedingungen, des Hungers, der Krankheiten und durch medizinische Versuche und Exekutionen gestorben. Theresienstadt In das ehemalige Konzentrationslager Theresienstadt wurden nach der Wannsee-Konferenz seit 1942 ältere oder als prominent geltende Juden aus Deutschland und anderen besetzten europäischen Ländern deportiert. Das Lager Theresienstadt diente seit 1940 als Gestapo-Gefängnis und 1941 als Sammel- und Durchgangslager für die heimische jüdische Bevölkerung. Mit der Wannsee-Konferenz wurde es Teil und Ort des Massen- bzw. Völkermords an den Juden.
In Theresienstadt wurde der jüdische Meeraner Unternehmer Herr Josef Wertheim am 5. September 1942 ermordet. Herr Josef Wertheim wurde mit dem Transport I/51 Nr. 5307 vom 25. August 1942 von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert. Insgesamt umfasste dieser Transport 100 deportierte Menschen, davon wurden 92 Menschen ermordet, nur 8 Personen überlebten.
Der Bescheid des Bundesvermögensamtes aus dem Jahr 2011 beendet formal nach 73 Jahren eine Unrechtssituation, deren Ausgangspunkt mit dem Jahr 1933 79 Jahre zurückliegt: Mit der Kanzlerschaft Adolf Hitlers im Januar 1933 wurde erstmals in der Geschichte Rassismus und Antisemitismus zu einem Regierungsprogramm erhoben. Bringt man es auf eine einfache Formel, beruhte die Vorstellung Hitlers und seiner nationalen Sozialisten darauf, dass Menschen unterschiedlich viel wert seien. Bestimmte Menschen und Menschengruppen wurden als „minderwertig“ eingestuft, verfolgt und ermordet, dazu zählten vor allem die Menschen jüdischen Glaubens und Abstammung. Der 27. Januar ist ein Tag der Erinnerung und der Besinnung: der Erinnerung an Mord, Tod und Gewalt und des Gedenkens an die Opfer. Wir verneigen uns in Trauer vor ihnen und bleiben ihnen verbunden in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Wie aktuell dies ist, zeigt die rechtsextreme „Unkultur“. Demagogisch und ungeistig reden Rechtsextremisten von der Herstellung der deutschen Einheit auf der Grundlage des gesunden deutschen Stammesblutes. Sie reden von einer völkischen Gemeinschaft, in der alle unsterblich werden und gleich sind. Sie reden von der Bekämpfung von Volksfeinden, Volksschädlingen und Volksfremden durch kämpferisches Wort und zugreifende Tat. Sie bekämpfen die historischen Wahrheiten und versuchen, die Geschichte von Auschwitz oder von Hitler neu zu schreiben. Halten wir fest: Mit dem Ausbau der Konzentrationslager in Folge der Wannsee-Konferenz ab 1942 erhöhte sich der Druck auf die deutschen und europäischen Juden. Lion Feuchtwanger (1884-1958, deutscher Schriftsteller, Exil ab 1933) charakterisierte die nationalsozialistische Gewaltpolitik gegen das jüdische Leben in Deutschland: „Nein, es sind keine Exzesse! |
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| Die Grabstätte der Familie Wertheim auf dem Meeraner Friedhof. | Das ehemalige Wohnhaus der Familie Wertheim in der Crotenlaider Straße. |
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Die Stadt Meerane beteiligt sich an dem Projekt "Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig. In das Straßenpflaster eingelassene „Stolpersteine“, auf denen die Namen und Lebensdaten verzeichnet sind, erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Die Steine werden auf den Gehwegen vor dem letzten Wohnort dieser Menschen gesetzt. Anliegen ist es unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. In Meerane erinnern Stolpersteine an Josef und Willy Wertheim, Frida Blumenthal und Alfred Born. |
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