TASSO`s Indien Report
Der bekannte Meeraner Graffiti-Künstler Jens TASSO Müller war ab 28. November 2011 für drei Wochen auf Arbeitsreise in Indien. Über seine dortige Arbeit und seine Erlebnisse berichtete er nach seiner Rückkehr nach Meerane.
Eingeladen war TASSO erneut von Akim Walta vom Hip-Hop-Stützpunkt Berlin, der schon 2011 das Expo-Projekt in China ins Leben gerufen und organisiert hatte. „Ziel ist nach wie vor die Bemühung, Kontakte zu anderen Ländern zu knüpfen, um Hip Hop mit seinen Elementen Graffiti, Rapmusik, DJing und Breakdance bekannt zu machen und zu etablieren. Ein Gedanke dahinter ist, die Völker mittels der Ausdrucksformen von Malerei, Musik und Tanz zu verbinden und gemeinsam, ohne Sprachbarrieren, etwas zu erschaffen“, erklärt TASSO.
Anlässlich des 60-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Indien und Deutschland unterstützte die Deutsche Botschaft das Projekt im Zuge eines Deutschlandjahres mit dem Schwerpunktthema: „StadtRäume – CitySpaces“. Als erstes war die Bemalung der Außenmauer der Deutschen Botschaft in New Delhi geplant. Da diese sich als Natursteinmauer nicht eignete, wurde eine Holz-Stellwand davor gesetzt. Das Besorgen der Bau- und Arbeitsmaterialien erwies sich dabei allerdings als viel schwieriger als gedacht, berichtet TASSO.
Insgesamt drei Wände der Botschaft wurden von den Graffiti-Künstlern aus Deutschland gestaltet. Mit TASSO waren WOK aus Dresden und AKIM sowie der Münchner LOOMIT, der auch zur IBUg in Meerane bereits zu Gast war, in Indien.
„Die Idee auf meiner Wandvorlage war, über die Symbolik von Tieren die beiden Länder mit ihren individuellen Unterschieden zu präsentieren. Trotzdem wählte ich jeweils drei Tierfiguren und als größtes Motiv das kleinste davon, nämlich einen Vogel. Für Deutschland natürlich den Adler, der ja als Wappentier sehr stolz Mut, Weitblick und Kraft darstellt. Für Indien wurde mir der Pfau empfohlen, den man dort sehr liebt. Ich empfinde ihn als edel und anmutig, er gilt dort als Symbol der Schönheit, Reichtum, Liebe und Leidenschaft. Für Europa bzw. Deutschland wählte ich noch den Braunbär und den Hirsch und für Asien/Indien den Tiger und den Elefanten, und zwar ein Elefanten als Verkörperung des jungen, frischen, im Aufbruch befindlichen, modernen Indien. Zwischen den Tieren malte Akim in typischen aber lesbaren Graffitilettern die Worte: Germany – India, den Namen des Projektes. An einer anderen Wand malte LOOMIT einen Adler, dessen Körper Deutschland als Landkarte darstellte und darin die Wappentiere der einzelnen Bundesländer zeigt. Auf der dritten Wand malten WOK und Akim ihre Sprayernamen und Figuren, wie es im Graffiti traditionell üblich ist, um besonders auch der Jugend nicht den Eindruck zu vermitteln, dass Malen mit der Spraydose immer gemeingefällig sein muss. Schließlich hat sich diese Kunstform aus bunten Buchstaben entwickelt und wäre ohne diese nicht in ihrer heutigen Form denkbar“, erklärt TASSO.
Die Arbeit an der Botschaft und eine Veranstaltung im Goethe-Institut waren der offizielle Teil der Reise, dem eine Zeit für freies Arbeiten folgen sollte. Dies aber, berichtet TASSO, erwies sich als sehr schwierig. Nur mühsam konnte man Wände zum Bemalen finden bzw. die Besitzer der Gebäude überzeugen, erzählt er. Entstanden ist aber unter anderem ein Landschaftsbild, dessen Motiv später sogar als Weihnachtskarte von den Mitarbeitern der Botschaft genutzt wurde. „Nicht gerade rebellische Streetart der coolsten Sorte, aber da ich ein Wintermotiv dort malte, wo kein Schnee fällt, hatte es schon wieder etwas Ausgefallenes. Für mich wollte ich damit meine Sehnsucht nach Heimat und der schönen Weihnachtszeit zum Ausdruck bringen“, erzählt TASSO.
Zum Abschluss der Reise ging es für die Graffiti-Künstler nach Mumbai/Bombay, wo sie Gast bei einem der größten Festivals Asiens, dem „Mood Indigo“, waren. Aber auch in Mumbai konnten sie nur wenige Wände gestalten. „Um das Winter- und Heimatgefühl als Serie abzuschließen, malte WOK ein goldenes SAXONY und ich zwei Nussknackersoldaten, die stolz daneben salutieren“, erzählt TASSO.
Sein Fazit dieser Reise fällt gemischt aus. TASSO: „Reisen bildet, man gewinnt neue Eindrücke und kommt mit vielen Geschichten und Erfahrungen zurück. Da ich aber nicht als Tourist unterwegs bin, ist es für mich am Wichtigsten, etwas von meiner Arbeit, meinen Ideen und meinem Können zu hinterlassen. Leider bin ich diesmal mit meinen Ergebnissen während des dreiwöchigen Aufenthaltes nicht zufrieden. Vieles wäre möglich gewesen, oft haben es die Umstände unmöglich gemacht.“
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